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Linear Induktions Motoren - Mit Volldampf auf der Magnetwelle |
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Anspannung, ein leichtes, hochfrequentes Summen ist zu
vernehmen und urplötzlich setzt sich unser Wagen in Bewegung: Von null auf
87 Stundenkilometer in drei Sekunden. Mit rund einem g, der einfachen
Erdbeschleunigung, werden die 20 Mitfahrer rückwärts in den Sitz
gedrückt, der Zug beschleunigt wie von Geisterhand auf der geradlinigen
Startstrecke, dann schraubt sich das Geschoss in die erste Inversion.
Seit 1996 werden die Züge auf der Achterbahn Flight of
Fear im amerikanischen King's Island Freizeitpark im Zwei-Minuten-Takt von
einem elektromagnetischen Linearantrieb in ein Schienenknäuel aus
Stahlrohren gefeuert. Statt durch einen Lifthügel erhält der acht
Tonnen schwere Achterbahnzug seine Initialenergie durch 112 auf einer rund 60
Meter langen Katapultstrecke paarweise installierte LIM-Module, sogenannten
Linear Induktions Motoren.
Für diesen speziellen Kick benötigt die
Loopingbahn der Firma Premier Rides aus dem amerikanischen Maryland
während des Abschusses stolze 3,6 Megawatt, rund das 15-fache eines
herkömmlichen Liftantriebes. Bis 2008 hat die durch den Deutschen Peter
Schnabel gegründete Firma zwölf elektromagnetisch gepowerte
Launchcoaster ausgeliefert - weitere Großachterbahnen sind für die
USA, China und die Vereinigten Arabischen Emirate in der Entwicklung. |
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Launchcoaster wie Flight of Fear sind jedoch nicht erst mit
dem elektromagnetischen Linearantrieb möglich geworden. Die ersten
Katapultbahnen realisierte der süddeutsche Hersteller Schwarzkopf schon
Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Für den Klassiker Shuttle
Loop entwickelte der Tüftler Anton Schwarzkopf zwei verschiedene
mechanische Antriebssysteme. In der ersten Entwicklungsstufe sorgte ein
Kontergewicht im freien Fall für den notwendigen Vorschub. Die im
Herunterfallen freigesetzte Energie wurde über ein zwischengeschaltetes
Seilzugsystem auf den Zug übertragen. In der Weiterentwicklung treibt ein
Motor ein tonnenschweres Schwungrad an, dessen gespeicherte Energie über
eine überdimensionale Rutschkupplung auf den Zug übertragen wird und
diesen in sekundenschnelle mit 85 km/h in den Looping katapultiert. Beide
Antriebe begnügen sich mit einer geringen Anschlussleistung durch die
Nutzung der Rotationsenergie, unterliegen aber einem hohen mechanischen
Verschleiß. Zwischen 1977 und 1994 lieferte Schwarzkopf 18 Katapultbahnen
aus. In Europa findet sich dieser Achterbahntypus heute noch im Walibi
Belgien.
Bis Premier Rides der Achterbahnwelt das revolutionäre
LIM-Beschleunigungssystem präsentierte, debütierte 1995 mit Space
Mountain im Disneyland Park Paris ein Windenkatapultsystem mit elektrischem
Direktantrieb. Dabei werden die Züge von einem Mitnehmerschlitten auf
eigener Schiene alle 36 Sekunden über eine 32 Grad steile Rampe gen
Supernova geschossen, um anschliessend einen 1000 Meter langen Rundkurs zu
absolvieren. Die notwendige Energie liefern zwei Elektromotoren mit einer
Gesamtleistung von 1,7 Megawatt der italienischen Firma Sicmemotori. Die
Bewegung der Motoren wird über ein mechanisches Getriebe direkt auf eine
Seilwinde übertragen. Das Zugseil transformiert die Rotation in eine
lineare Bewegung des Mitnehmerschlittens, welcher unterhalb des Zuges
angreift.
Die Mechanik des bei seinem Debüt revolutionären
"Katapult Schrägaufzuges" hat jedoch ihre Nachteile: Seil, Winde und
Getriebe sind einem ständigen Verschleiß unterlegen. Das speziell
entwickelte Stahlseil einer deutschen Firma muss kontinuierlich nachgespannt
werden. Nach einer bestimmten Zykluszahl ist seine Ablegereife erreicht. 24
Stunden benötigt das Team der Disney Mechaniker für die
Auswechslung. |
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Der elektromagnetische induktive Linearantrieb - kurz LIM -
war die konsequente Weiterentwicklung mit dem Ziel, ein mechanisch
wartungsfreies Beschleunigungssystem zu etablieren. Die Achterbahn ist dabei
nicht das erste Anwendungsgebiet im Vergnügungsparksektor.
Im Magic Kingdom der Walt Disney World in Florida wurde
erstmals 1974 ein LIM-Antrieb bei einem Personenbeförderungssytem, dem
WEDWAY People Mover, eingesetzt. Die schienengeführten Züge fahren
mit bis zu zwölf Stundenkilometern über das Themenland Tomorrowland.
In bestimmten Streckenabschnitten installierte LIM Motoren ermöglichen den
mehrgliedrigen Zügen die Beschleunigung und Beibehaltung ihrer
Geschwindigkeit.
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Big Thunder Mountain im Disneyland Paris
ist die erste Achterbahn weltweit mit LIM Modulen (rechtes Bild in Kombination
mit einer mechanischen Reibbremse zu sehen) |
Die Vorteile für Disney liegen klar auf der Hand: Auf
herkömmlichen People Movern wie der einige Jahre zuvor eröffneten
Schwesteranlage im kalifornischen Disneyland werden die Züge durch an der
Schiene befestigte Reibräder mit Gummikarkasse angetrieben. Die Räder
verschleißen, müssen kontinuierlich nachgestellt und in periodischen
Zyklen ausgetauscht werden. Ein mechanisch kontaktloses Antriebssystem wie der
LIM bedarf dieser Wartungszyklen nicht. Die Eigenentwicklung der Ingenieure von
Walt Disney Imagineering findet sogar bis heute Anwendung bei zwei weiteren
Personenbeförderungssystemen in den USA: 1981 eröffnete der People
Mover am Flughafen in Houston, Texas. Die zweite Installation ist eine
Untergrundbahn in Washington D.C., welche die US Senatoren von ihren Büros
zum Capitol bringt.
Der LIM Antrieb blieb bis in die 90er Jahre ein
Nischenprodukt im Vergnügungsparksektor. Vielmehr wurden
Systemlösungen für Gepäckbeförderungssysteme auf
Flughäfen oder für den mechanisch berührungslosen Antrieb von
Türsystemen entwickelt, wie sie in Supermärkten zu finden sind.
Bis die LIM-Antriebe 1996 für den Katapultstart bei
Achterbahnen eingesetzt wurden, fanden sie nur einmal einen weiteren Einsatz in
einem Freizeitpark. Mit der Eröffnung des Euro Disney bei Paris wurden
neue Standards in der europäischen Freizeitparkwelt gesetzt, darunter auch
einige verborgene:
Auf zwei Anlagen der niederländischen Firma Vekoma, dem
Endlos Fahrsystem der Geisterbahn Phantom Manor und der Minenachterbahn Big
Thunder Mountain, werden insgesamt 130 LIM-Module der englischen Firma Force
Engineering eingesetzt, um die Züge mechanisch berührungslos auf
Schrittgeschwindigkeit anzutreiben. Dies reduziert die mechanischen
Wartungsarbeiten an den rund zwölf Stunden am Tag laufenden Attraktionen
erheblich. Beim Big Thunder Mountain wird der LIM im Stationsbereich nicht nur
als Motor, sondern auch als Reduzierbremse verwendet. Als Feststellbremse kann
er jedoch nicht dienen, da seine Kraftwirkung nur bei einer Relativbewegung
(hier zwischen Zug und an der Schiene befestigtem LIM-Motormodul) aufrecht
erhalten bleibt. Diese Aufgabe übernehmen mechanische Bremsen, deren
Bremsbeläge jedoch einem weitaus geringeren Verschleiß unterlegen
sind, da der Zug vorher vom LIM praktisch auf Stillstand verzögert
wird.
1996 kam die Stunde der Katapultbahnen: Premier Rides
verwirklichte in Zusammenarbeit mit dem Briten Alan Foster und seiner Firma
Force Engineering aus Leicestershire, eben jener Firma, die 1991 Euro Disney
mit LIM-Antrieben belieferte, den ersten elektromagnetisch gepowerten
Launchcoaster. Seit 1979 entwickelt und baut das englische Unternehmen
LIM-Motoren für Gepäck- und Passagierfördersysteme sowie
industrielle Sonderlösungen.
Die neue Antriebstechnik wurde als die Innovation der
Achterbahn-Antriebe für die Zukunft gefeiert: Beschleunigungen aus dem
Stand heraus, auf waagerechter oder senkrechter Strecke sind möglich.
Selbst fliegende Starts oder Zwischenbeschleunigungen erlaubt die LIM Technik,
da der Zug berührungslos angetrieben wird und nicht etwa mechanisch
formschlüssig an einen Mitnehmer gekoppelt werden muss. Diese Vielfalt
wird dabei von einem verschleißfreien und somit äußerst
mechanisch wartungsfreundlichen Antriebssystem umgesetzt. |
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Das Funktionsprinzip des Linearen
Induktions Motors |
Der Lineare Induktionsmotor entstammt in seiner
Funktionsweise dem Wechselstrommotor. Der einzige und auffälligste
Unterschied liegt darin, dass statt einer rotatorischen eine lineare Bewegung
erzeugt wird. Die im Wechselstrommotor kreisförmig angeordneten
Statorspulen werden dazu auf einer ebenen, linearen Strecke platziert. Der
"Läufer", der im Wechselstrommotor rotiert, wird beim Linearmotor
über eine geradlinige Strecke bewegt.
Wird durch einen Kupferdraht ein Strom geleitet, so entsteht
um diesen ein magnetisches Feld. Dessen Feldstärke ist vom angelegten
Strom abhängig. Um das erzeugte Magnetfeld zu maximieren und in seiner
Ausbreitungsrichtung geometrisch zu kontrollieren, wird der Kupferdraht um
einen länglichen Eisenkern - dem Ferrit - gewickelt. Es entsteht eine
Spule, welche bei angelegtem Strom gleiche Eigenschaften wie ein
Permanentmagnet besitzt. An den jeweiligen Enden des Ferritkerns entsteht ein
Nord- und ein Südpol. Beim Linearmotor sind viele derartige Spulen in
einer Reihe hintereinandergeschaltet.
An der Schiene sind dazu über die gesamte
Katapultstrecke Motormodule mit dreiphasigen Spulen - den Statoren - montiert,
die um einen etwa 20 Millimeter breiten linearen Luftspalt gruppiert sind. Der
Motor besitzt dabei eine Länge von etwa einem Meter. Am Zug befindet sich
ein Kupfer- oder Aluminiumschwert - der Läufer -, welches vom LIM Motor
berührungslos durch den Spalt gezogen wird. Das Funktionsprinzip des
Antriebs folgt dabei dem Gesetz der Induktion.
Eine angelegte Wechselspannung erzeugt in den Spulen des
Linearmotors ein wanderndes Magnetfeld mit ständigem Wechsel der
Polarität zwischen nord und süd. Das Wanderfeld bewegt sich entlang
der Katapultsrecke, seine Fortbewegungsgeschwindigkeit wird durch die Frequenz
des angelegten Stroms bestimmt. Das im Stator angelegte magnetische Wanderfeld
induziert im "Läufermedium" eine elektrische Spannung, die die freien
Elektronen im Schwert in Bewegung versetzt. Dieser Elektronenfluss erzeugt
wiederum ein Magnetfeld. Beide Magnetfelder interagieren miteinander, ungleiche
Pole ziehen sich an, gleiche Pole stoßen sich ab.
Durch die Wechselwirkung der beiden Magnetfelder entsteht
eine Kraftkomponente in Richtung des Wanderfeldes, welche den Achterbahnzug in
Bewegung setzt. Wie dem Kraftdiagramm entnommen werden kann, ist die Kraft
abhängig von der Relativgeschwindigkeit Δv zwischen dem Zug und dem
Wandermagnetfeld. Sind beide gleich schnell, wird kein Gegenmagnetfeld erzeugt
und die Beschleunigung ist gleich null. Im Maximum der Kurve sind die Verluste
am geringsten.
Während der Beschleunigungsphase ist die
Geschwindigkeit des Zuges - und damit der Läufer - stets kleiner als die
des antreibenden Statorfeldes. Das in den Läufern erzeugte Magnetfeld
bewegt sich also über die Schwerter und springt sogar über die
Schwerter von Wagen zu Wagen. Würden die Geschwindigkeiten des
Statorfeldes und des Zuges gleich sein, so würde im Läufer keine
Spannung induziert und die den Zug antreibende Kraft nicht mehr aufrecht
erhalten. Würde die Geschwindigkeit des Zuges sogar größer als
die des Statorfeldes, so würde die Kraftrichtung drehen und der Zug
abgebremst werden. Derartige Zusammenhänge resultieren aus dem
physikalischen Induktionsgesetz. |
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Links: Ein rund ein Meter langes LIM Modul
von California Screamin', welches drei am Fahrzeug installierte Kupferschwerter
aufnehmen kann - rechts: die Launchstrecke mit LIM Modulen, Anschlussboxen und
einem Zug in der Beschleunigungsphase |
Das Regelwerk des linearen Induktionsmotors erscheint
einfach, seine Umsetzung und Regelung bis zur störungsfreien Serienreife
erfordert jedoch einen hohen Entwicklungs- und Justageaufwand nebst
aufwändiger Steuerungs- und Leistungstechnik, um den Wirkungsgrad - das
Verhältnis zwischen investierter elektrischer Energie und Bewegungsenergie
des Zuges - zu maximieren und die Verlustleistung gering zu halten.
Für die Beschleunigung eines Achterbahnzuges sind
extrem hohe Leistungen von Nöten, die kurzfristig das Stromnetz der
Vergnügungsparks belasten. Dabei ist nicht nur die hohe Aufnahmeleistung
von bis zu vier Megawatt und mehr - dies entspricht 5000 Pferdestärken -
problematisch, sondern auch das ständige Ein- und Ausschalten des
Antriebs, welches Stromspitzen erzeugt. Diese können die Stromversorgung
eines Vergnügungsparks beeinträchtigen oder andere sensitive
Verbraucher stören. In den ersten Betriebsjahren kämpfte mancher
Vergnügungspark mit derartigen Auswirkungen. Eine entsprechende
Abschirmung einer LIM-gepowerten Attraktion garantiert heutzutage einen
problemlosen Betrieb.
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Kraftverlauf F des Linear Induktions
Motors aufgetragen über der Relativgeschwindigkeit Δv zwischen
Wandermagnetfeld und Zuggeschwindigkeit |
Prinzipiell ist es möglich, die Statormodule direkt mit
dem Stromnetz zu verbinden. Der vom Netzbetreiber gelieferte Wechselstrom hat
üblicherweise eine Frequenz von 50 Hertz, die Spannung wechselt dabei
fünzigmal in der Sekunde ihre Polarität. Diese konstante Frequenz
liefert abhängig von der Polzahl der Statoren, also von der Wicklungszahl
der Kupferspulen, eine konstante Wanderfeldgeschwindigkeit. In diesem
Betriebsmodus befindet sich der Antrieb jedoch nicht im optimalen Arbeitspunkt,
und ein Großteil der eingesetzten Energie wird in Wärme umgewandelt.
Darüber hinaus sind die Statorspulen wegen der Blindleistung höchst
unbeliebte Verbraucher: Aufgrund ihrer Induktivität fließt ein hoher
Strom, der zwar das Stromnetz und den Geldbeutel der Betreiber belastet, aber
nicht zur Beschleunigung des Achterbahnzugs beiträgt.
Beide Probleme werden durch den Einsatz von
Frequenzumrichtern gelöst. In ihnen wird die Wechselspannung des
Stromnetzes in eine konstante Spannung gleichgerichtet. Die Gleichspannung wird
dann pulsweitenmoduliert: Ein Schalter schaltet die Spannung zum
gewünschten Zeitpunkt und für die benötigte Dauer wiederholt ein
und aus. Es entstehen Rechteckimpulse, die aufgrund der Induktivitäten der
Statorspulen einen sinusartigen, wellenförmigen Verlauf erhalten und somit
dennoch ein "sauberes" Wandermagnetfeld entsteht. So dient der Umrichter
einerseits der Blindleistungskompensation gegenüber dem Stromnetz und
erzeugt andererseits das benötigte Ausgangssignal für ein Magnetfeld
mit steuerbarer Wandergeschwindigkeit.
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Technik im Detail: Der am Fahrzeug
installierte Rechen am linken unteren Bildrand wird verwendet, um die genaue
Position des Fahrzeugs auf der Launchstrecke zu ermitteln; im linken oberen
Bildbereich ist ein Lüfter zur erkennen, der Wärme vom unterhalb der
Schiene angebrachten Stator abführt; die dicken Elektrokabel in der
Bildmitte zeigen deutlich, welcher Stromfluss für die Ansteuerung der
LIM-Module notwendig ist |
Die Magnetfeldgeschwindigkeit ist der Schlüssel zur
Regelung des LIM-Antriebes. Zur Optimierung des Wirkungsgrades sollte sich der
Geschwindigkeitsunterschied zwischen Magnetfeld und Zug - die
Relativgeschwindigkeit Δv - in einem bestimmten Wertebereich befinden.
Das dargestellte Kraftdiagramm zeigt deutlich, dass nur in einem bestimmten
Bereich der Relativgeschwindigkeit die vom Stator erzeugte Kraft F ihr Maximum
erreicht.
Die Frequenz des angelegten Stroms wird in
Abhängigkeit der gemessenen Zuggeschwindigkeit geregelt. Dabei gehört
es zum Know How der Ingenieure, die Frequenz für den jeweiligen
Geschwindigkeitsbereich optimal zu wählen. Durch die Programmierung einer
Frequenzrampe sind auch schwierige Anlaufbedingungen ohne starke
Überstromspitzen zu bewältigen. Viele Frequenzumrichter können
dabei selbst überwachen, ob der Motor innerhalb seines zulässigen
Schlupfes läuft, und somit ein "Abreißen" des Wanderfeldes zum
Läufer verhindern.
Unterstützt wird die Variation der
Wanderfeldgeschwindigkeit durch die Wahl des Statortyps. Je nach
Ausführung der Statorwicklung bewegt sich das Magnetfeld bei gleicher
Stromfrequenz unterschiedlich schnell. Ein für einen
Geschwindigkeitsbereich um 50 Stundenkilometer optimal ausgelegter Motor ist
zum Beispiel nur schwer in der Lage, einen Zug aus dem Stand heraus
anzuschieben. Um einen Zug von 0 auf 90 Stundenkilometer zu beschleunigen,
kommen daher üblicherweise etwa drei bis fünf verschieden gewickelte
Statortypen zum Einsatz.
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Links: Ein Inverted Fahrzeug mit drei
Kupferschwertern; das Antriebssystem ist baugleich mit California Screamin' -
rechts: Als besonderer Clou sind zwischen den LIM Modulen zuschaltbare
Permanentmagnete installiert; das statische Magnetfeld zwischen den Luftspalten
generiert bei Durchfahrt des Zuges Wirbelströme im Kupferschwert, welche
in der Rückwirkung den Zug abbremsen |
Schließlich muss eine Überhitzung der
anfälligen Statormodule ausgeschlossen werden. Ein zwölf Meter langer
Achterbahnzug überdeckt auf einer 50 Meter langen Launchstrecke weniger
als 20 Prozent der linearen Motoren. Ein Leerlauf der Motoren, also ein
fehlendes Wirkmedium im Luftspalt, kann schnell zu einer Überhitzung
führen. Um dies zu vermeiden, werden die im Leerlauf befindlichen Motoren
ausgeschaltet. Sensoren ermöglichen die Ermittlung der Zugposition, und
elektrische Schalter, sogenannte Thyristoren, sorgen für die
millisekundengenaue Ansteuerung der LIM-Module. Für die bessere
Abführung der Abwärme werden lineare elektromagnetische Launchsysteme
vielfach mit aktiver Luftkühlung betrieben. Modernste
Beschleunigungssysteme verfügen sogar über Fluidkühlungen,
welche am effektivsten die Wärme aus den Statormodul abführen.
Katapultsysteme mit LIM-Modulen bilden ein Antriebssystem,
das sich prinzipiell auch ohne großen Regelungsaufwand betreiben
lässt. Für einen höheren Wirkungsgrad sind jedoch Umrichter und
eine gewisse elektronische Infrastruktur notwendig. Dennoch lassen sich je nach
Geschwindigkeit nur 30 bis 70 Prozent der aufgenommenen elektrischen Energie in
kinetische Energie des Fahrzeugs umsetzen. Im Extremfall werden demnach nur 30
Prozent des vom Statorfeld verbrauchten Stromes tatsächlich verwendet, um
den Zug zu beschleunigen. Die verbleibenen 70 Prozent werden hauptsächlich
dazu verwendet, um das Magnetfeld im Läufer (der Alu- oder Kupferplatte am
Zug) zu erzeugen. Dabei entstehen in der Platte hohe elektrische
Wirbelströme, welche unumgänglich in Verlustwärme umgesetzt
werden. Im Mittel erreichen LIM Systeme einen Wirkungsgrad von 50 Prozent.
Um den Energieverbrauch und somit die Betriebskosten der
Linear Induktions Motoren in Grenzen zu halten ist ein Umrichterbetrieb
unumgänglich. Während die Statoren den geringeren Teil der
Investitionskosten eines Linearantriebes ausmachen, treiben die
leistungsstarken Umrichter die Initialkosten in die Höhe. Der
fortscheitende Stand der Technik führte innerhalb der letzten 15 Jahre zu
verschiedenen Weiter- und Neuentwicklungen, welche das Karussell der
Antriebstechniken unter den Launchcoastern vielfältiger denn je
machte. |
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Neben Premier Rides gilt die Firma Intamin als der Pionier
unter den elektromagnetischen Achterbahn-Antriebssystemen. 1997 durchbrach der
Hersteller mit dem Tower of Terror im australischen Dreamworld erstmals die
Geschwindigkeitsmarke von 160 km/h. Die Firma mit Hauptsitz in Liechtenstein
setzt dabei ihr Know How im Bereich Steuerungs- und Regelungstechnik in
Zusammenarbeit mit externen Spezialfirmen zu immer neuen Superlativen der
Antriebstechnik ein. Bis heute wurden rund 20 linear-elektromagnetisch
gepowerte Achterbahnen ausgeliefert, darunter die spektakuläre California
Screamin' Loopingbahn im kalifornischen Disneyland, auf der sogar erstmals ein
Liftantrieb mit LIM Motoren verwirklicht wurde.
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Das Funktionsprinzip des Linear Synchron
Motors: Der Läufer (Zug) gleitet wie ein Surfbrett über das wandernde
Statormagnetfeld |
Um die Nachteile der LIM-Antriebe, vor allem ihren
schlechten Wirkungsgrad, zu minimieren, wurde bei Intamin die hauseigene
Entwicklung der LSM-Technik im neuen Jahrtausend intensiviert: Moderne
elektromagnetisch gepowerte Intamin Anlagen wie der Loopingcoaster Maverick in
Cedar Point, die Wasserachterbahn Atlantis Adventure in der
südkoreanischen Lotte World oder Cheetah Hunt im amerikanischen Busch
Gardens Tampa Bay verwenden ausschließlich neueste Generationen von LSM
Antrieben.
Ein LSM unterscheidet sich vom LIM in einem einzigen Detail:
Beim Läufer wird statt einer Kupfer- oder Aluminiumplatte ein Magnetbalken
mit alternierender Polarität eingesetzt. Der Stator taucht in einen etwa
40 Millimeter breiten Luftspalt ein, der beidseitig von Permanentmagneten
gebildet wird. Die Asynchron- wird dabei zur Synchronmaschine: Statt dass ein
Magnetfeld im Läufermedium vom elektromagnetischen Wanderfeld der Statoren
induziert wird, interagiert das Magnetfeld der Permanentmagnete direkt mit dem
elektrisch erzeugten Wanderfeld im Stator. Das Fahrzeug reitet wie ein
Surfbrett auf der elektromagnetischen Welle des Statormagnetfeldes.
Der Wirkungsgrad des LSM ist mit 60 bis 90 Prozent fast
doppelt so hoch wie die des LIM, obwohl die Magnete am Fahrzeug die zu
beschleunigende Masse vergrößern. Eine höhere Masse erfordert
mehr Leistung, um gleiche Beschleunigungswerte zu erhalten. Die etwa 200
Kilogramm schweren Magnetbalken erhöhen das durchschnittliche
Fahrzeuggewicht eines beladenen Achtwerbahnwagens von knapp zwei Tonnen um rund
zehn Prozent. Somit ist eine zehn Prozent höhere Energiespeisung der
Motoren von Nöten, um gleiche Beschleunigungscharakteristika zu erhalten.
Der vorteilhaftere Wirkungsgrad des LSM wird somit reduziert, liegt jedoch
immer noch deutlich über dem LIM.
Dies ist auf das permanente Magnetfeld im Läufer
zurückzuführen. Beim LIM wird das benötigte Reaktionsfeld in der
Aluminium- oder Kupferplatte über das Statorfeld erzeugt. Dabei entstehen
in der Platte hohe elektrische Wirbelströme, welche in Form von
Verlustwärme eine Verringerung des Wirkungsgrades bedeuten. Beim LIM
entstehen zirka 40 Prozent der Verluste im Läufer.
Der geringere Anschlusswert, also die Betriebskosten, sind
nur ein Vorteil. Auch die Initialkosten sind geringer, da kleinere Umrichter
verwendet werden können und nur die Hälfte der Statoren wie bei einem
vergleichbar leistungsfähigen LIM benötigt werden. Die Mehrkosten
für die Ausrüstung der Züge mit Magnetbalken beim LSM im
Vergleich zur Alu- oder Kupferplatte beim LIM fallen bei wenigen Fahrzeugen
kaum ins Gewicht. LIMs spielen ihren Vorteil daher nur bei Achterbahnen mit
vielen Fahrzeugen oder sehr strengen Anforderungen an das Fahrzeuggewicht
aus.
Ganz ohne Nachteile kommt jedoch auch ein LSM-Antrieb nicht
daher, denn er erfordert eine weitaus genauere Ansteuerung der linearen
Motoren: Die Geschwindigkeit des wandernden Magnetfeldes muss exakt mit der
Geschwindigkeit des Zuges synchronisiert sein. Ansonsten "verliert" das
Statorfeld den Zug und es findet keine Beschleunigung statt. Die
Positionierungsgenauigkeit des Zuges liegt bei wenigen Millimetern, um das
Statorfeld zu den Permanentmagneten des Zuges synchron laufen zu lassen. Dazu
ist ein im Vergleich zum LIM hochpräzises und meist empfindlicheres
Positionsermittlungsystem erforderlich. Die Positionen der Sensoren
untereinander und in Bezug auf die Statoren muss millimetergenau stimmen. Kommt
es zu Ausfällen einzelner Sensoren, kann der Beschleunigungszyklus zum
Erliegen kommen.
Weiterhin unterliegen die an den Fahrzeugen eines jeden
Zuges angebrachten Permanentmagnetbalken alternierender Polarität einer
hohen Fertigungstoleranz. Die Abstände der Poländerungen von Nord
nach Süd müssen millimetergenau toleriert sein, sowohl an jedem
Magnetbalken eines jeden Fahrzeugs als auch von Fahrzeug zu Fahrzeug bei
aneinander gekoppelten Zugsystemen. Ansonsten befindet sich das
Permanentmagnetfeld vom vorderen Wagen nicht mehr synchron zum hinteren Wagen,
Beschleunigungsverluste sind die Folge. |
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Neben Premier Rides und Intamin als Entwicklungsmotoren der
elektromagnetischen Launch-Antriebssysteme haben sich in den letzten zehn
Jahren weitere Hersteller für Systemlösungen etabliert. Die Firma
InTraSys aus München entwickelt neben linearen Wirbelstrombremsen für
Achterbahnen auch synchrone und asynchrone Antriebssysteme. So arbeitete zum
Beispiel Intamin für ihre ersten LSM-Achterbahnen, unter anderem Tower of
Terror oder Superman Escape mit den Münchnern zusammen, Vekoma verwendete
1999 einen LSM Antrieb von InTraSys beim Rock 'n' Roller Coaster in der Walt
Disney World und heute liefert das kleine Technologieunternehmen
LSM-Komplettlösungen für Unternehmen wie Gerstlauer, Zierer oder
Mack, die selber keine Entwicklungshistorie bei Magnetantrieben besitzen.
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2003 revolutionierten die LSM Module auf
der Intamin Halfpipe die Möglichkeiten der Achterbahnformen: Innerhalb von
3-4 Schwüngen erreicht der Skateboardzug die freien Schienenenden in 30
Metern Höhe |
Für den Rock 'n' Roller Coaster wurde 1999 ein
ungewöhnlicher Weg eingeschlagen: Die fahrzeugseitigen Magnete des
LSM-Antriebs wurden nicht an jedem der fünf Züge der Anlage
angebracht, sondern ausschließlich an einem Mitnehmerschlitten, der die
Katapultstrecke auf einer eigenen Schiene unterhalb des Zuges befährt. Ein
fliegender Start ist mit diesem System nicht möglich, da der Zug im
Ruhezustand in den Mitnehmerschlitten einhakt. Auf der anderen Seite ist kein
höheres Zuggewicht von Nöten. Entsprechend mussten die
Vekoma-Züge nicht aufwändig neu konstruiert werden, um das
höhere Gewicht sicher über die Fahrwerke auf die Schiene zu
übertragen. Zusätzlich muss nur ein Fahrzeug - der Schlitten - mit
hochwertigen und entsprechend teuren Permanentmagneten ausgestattet werden.
Die neueste Generation von InTraSys linearen
Antriebssystemen kommt beim Maurer Söhne X-Car Coaster Formule X im
niederländischen Freizeitpark Drievliet zur Anwendung, welche im folgenden
Fallbeispiel vorgestellt wird.
In zwei Sekunden beschleunigen 26 paarweise installierte
LSM-Module das Fahrzeug auf 70 Stundenkilometer. Zur Erfassung seiner Position
befinden sich zwischen den Modulen Sondenblöcke, die das Feld der am
Fahrzeug montierten Permanentmagnete detektieren. Eine zweifache, auf Windows
NT bzw. Linux ablaufende softwarebasierte Steuerung fragt die Sensoren alle 50
Mikrosekunden - dies entspricht 0,00005 Sekunden - ab und regelt im
Containerraum die Frequenzumrichter sowie die Schütze, welche die
LSM-Module schalten. Bei den Modulen, in deren Wirkbereich sich das Fahrzeug
gerade nicht befindet, werden die Statoren kurzgeschlossen. Sie wirken somit
als Magnetbremse, falls das Fahrzeug das erste Fahrelement nicht bewältigt
und zurückrollt.
Bei Formule X wird nicht die Frequenz des Magnetfeldes
geregelt, sondern die Phasenlage. Das Magnetfeld der Magnete am Fahrzeug wird
mittels Sensoren detektiert und daraus in kurzen zeitlichen Abständen
errechnet, wie das Statormagnetfeld für eine optimale Beschleunigung
ausgebildet sein muss. Die Umrichter werden dann derart angesteuert, dass die
Statoren das entsprechende Magnetfeld erzeugen. Durch die in geringen
zeitlichen Abständen erfolgende Ansteuerung der Statoren ergibt sich im
Ergebnis dennoch ein stetiger Verlauf des Magnetfeldes.
Die Beschleunigung von bis zu 1g setzt nahtlos und ohne
Vorwarnung ein und wirkt daher besonders bei der Erstfahrt sehr unerwartet. Die
LSMs packen überraschend knackig zu und katapultieren das Fahrzeug nach
der 22 Meter langen Launchstrecke in die erste Fahr- und Inversionsfigur. Beim
Start wird in den Statoren eine elektrische Verlustleistung in Wärme
umgesetzt. Um die empfindlichen Antriebseinheiten vor einer zu großen
Aufheizung zu schützen, produzieren aktive Luftkühlsysteme in Form
von Ventilatoren einen Luftstrom entlang der Statorreihen. Gekühlt werden
nur die ersten drei Statoren, da diese aufgrund der geringen Geschwindigkeit
des Zuges an dieser Stelle länger aktiviert sind als die folgenden Motoren
und die meiste Hitze entwickeln.
Der LSM-Antrieb von Formule X benötigt während des
zweisekündigen Launchs eine Spitzenleistung von 450 Kilowatt. Um die
Anschlussleistung so gering und konstant wie möglich zu halten, besteht
die Energieversorgung aus einem mechanischen Energiespeichersystem mit
Schwungrad, Schwungradmotor und elektrischem Generator. Der Motor bringt das
vier Tonnen schwere Schwungrad auf die Nenndrehzahl von 1500 Umdrehungen pro
Minute. Während des Starts wandelt ein Generator die Rotationsenergie des
Schwungrades in elektrische Energie um und liefert einen Spitzenstrom von 750
Ampere. Das Schwungrad minimiert die Anschlussleistung auf etwa ein Viertel der
Spitzenlast, wobei die benötigten 125 Kilowatt (davon weniger als 100
Kilowatt fü den Schwungradmotor) auch für einen Kettenliftantrieb
mittlerer Größe zu veranschlagen wären. Nach jedem Launch
benötigt der Elektromotor cirka elf Sekunden, um das Schwungrad wieder auf
Touren zu bringen; bei der morgendlichen Inbetriebnahme der Anlage dauert das
Anfahren fünf bis sechs Minuten.
Formule X zeigt, dass moderne LSM Coaster heutzutage keine
Anschlussleistungen im Megawatt-Bereich besitzen müssen. Die geringe
Spitzenleistung von 450 Kilowatt ist im Vergleich zu den 3600 Kilowatt des
Premier Rides LIM System aus dem Jahre 1996 jedoch nicht auf einen schlagartig
verbesserten Wirkungsgerad der LSM-Technologie zurückzuführen - in
dieser Beziehung ist die Technik ausgereizt. Der Schlüssel ist das geringe
Zuggewicht in Kombination mit einer geringeren Endgeschwindigkeit. |
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Die Möglichkeiten der Gestaltungsfreiheit der Katapulte
bei LIM und LSM Systemen scheinen theoretisch grenzenlos, doch praktisch zeigt
das Wirkprinzip schnell seine Grenzen. Zwar ist ein mechanischer
Verschleiß der Antriebe nicht vorhanden, doch auf der elektrischen Seite
ist der Wartungsaufwand der Schrankreihen aus elektrischen Schaltungen,
Thyristoren und Frequenzumrichtern nicht zu unterschätzen. Statt
Mechanikern sind hochspezialisierte Elektrotechniker gefragt, wenn das System
aus unerfindlichen Gründen seinen Dienst verweigert.
Zudem ist der Energiebedarf und die Initialkosten bei
Hochgeschwindigkeitsachterbahnen ein Verkaufskiller. Nur zwei der 30 rund
weltweit operierenden LIM und LSM Coaster erreicht Geschwindigkeiten deutlich
über 100 Stundenkilometer. Um die Energiereserven zu schonen wurde sogar
im kalifornischen Six Flags Magic Mountain über viele Jahre das System nur
zu zwei Dritteln ausgefahren: Statt 160 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit
des wurde der Wagen des Superman Escape nur auf etwa 120 beschleunigt. Neue,
leichtere Wagen ermöglichen seit 2011 wieder die volle
Spitzengeschwindigkeit.
In die Bewegungsenergie geht die zu erreichende
Zielgeschwindigkeit quadratisch ein: Eine Verdopplung der Geschwindigkeit von
100 auf 200 km/h bedeutet eine Vervierfachung der benötigten Energie. Die
Beschleunigung an sich ist nicht das Problem: Ein Stator von einem Meter
Länge kann eine Kraft von etwa zehn Kilonewton erzeugen. Bei einem
Zuggewicht von zehn Tonnen entspricht das einer Beschleunigung von 0,1g.
Praktischerweise sind bei einem Zug mit diesem Gewicht rund zehn Statoren in
Überdeckung mit den Magneten / Aluschwertern am Zug, womit sich eine
Beschleunigung von typischerweise 1g ergeben würde. Hohen
Endgeschwindigkeiten steht in der Praxis jedoch das Wirkprinzip selber
entgegen: Das Magnetfeld im Zug generiert im Stator eine Gegeninduktion. Diese
Spannung muss vom Umrichter überwunden werden, um überhaupt erst eine
Beschleunigungskraft zu erzeugen. Derart potente Umrichter, die auch bei hohen
Geschwindigkeiten und damit hohen induzierten Gegenspannungen noch Reserven
aufweisen, sind derzeit nicht erhältlich.
Und es gibt ein weiteres Problem. Selbst wenn sich die
Energie und damit die Beschleunigungskraft bereitstellen ließe, so
müsste die Kraft für eine bestimmte Zeit auf den Zug einwirken, um
ihn zu beschleunigen. Bei einer hohen Ausgangsgeschwindigkeit passiert der Zug
die Statoren entsprechend schnell - legt also während der
Beschleunigungszeit eine lange Strecke zurück, die vollständig mit
Statoren bestückt sein muss. Als Zahlenbeispiel wird ein Zug mit 1g aus
dem Stand beschleunigt. 100 km/h erreicht er nach 39,2 Metern, 200 km/h erst
nach 156,8 Metern - die Investitionskosten in Statormodule und
Ansteuerungstechnik vervierfachen sich bei einer Verdopplung der
Endgeschwindigkeit.
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Links: Der Hydraulikantrieb von KingdaKa
drückt ein Ölvolumen mit 300bar, dem 300-fachen Luftdruck, über
armdicke Schläuche durch rund 50 Hydraulikmotoren, welche eine Seilwinde
antreiben - Im Vordergrund ist einer von zwei Öltanks zu sehen, links und
rechts des Bildes die Stickstofftanks mit nachgeschalteten
Öl-Kolbenspeichern - rechts: Die 200 Meter lange Launchstrecke führt
auf einen 139 Meter hohen Turm |
Dieser Kostennachteil existiert bei Hydrauliksystemen nur in
deutlich geringerem Maße. Die benötigte Energie wird in den Ein- und
Ausstiegspausen langsam aber stetig in überdimensionalen Stickstofftanks
durch einen ansteigenden Druck aufgebaut, der sich schließlich
schlagartig über einen Ölkreislauf, das Hydrauliksystem, in eine
Rotationsbewegung einer Seilwinde entlädt. Der Zug wird dabei durch einen
Mitnehmerschlitten über ein Seilzugsystem in das Streckenlayout
katapultiert.
Hydraulische Antriebssysteme sind fast grenzenlos
skalierbar, wie das Beispiel KingDa Ka von Intamin im Six Flags Great Adventure
bei New York zeigt. Selbst den rund zehn Tonnen schweren Zug vermag das
Hydraulikkatapult mit einer mittleren Beschleunigung von 1,5g auf 210
Stundenkilometer zu beschleunigen - und benötigt dabei Anschlussleistungen
von unter zwei Megawatt. Ein LSM wäre dabei klar unterlegen. Diese
Leistungsbilanz wird nur dadurch ermöglicht, dass das Energiepotential
zwischen den Starts langsam im hydraulischen Speichersystem über permanent
laufende Hochleistungspumpen aufgebaut wird. Selbst bei langen
Beschleunigungsstrecken sind teure Bauteile wie Druckspeicher, Pumpe und
Seilwinde nur einmal notwendig - wenn auch entsprechend größer
dimensioniert. Damit steigen die Investitionskosten mit wachsender
Spitzengeschwindigkeit weniger schnell als bei einem Magnetantrieb. Die
Kehrseite der Medaille sind jedoch die höheren mechanischen
Wartungsaufwendungen der hydraulischen Katapultsysteme.
Hinzu kommt bei den Magnetantrieben der hohe schlagartige
Strombedarf. Er war ein Hauptgrund dafür, dass die LIM und LSM Coaster
bislang hauptsächlich nur in den USA und Asien hoffähig waren. Bis
2006 gab es nur drei Linear-Katapulte in Europa. Doch die Coasterindustrie
lernt dazu: Um den Energiebedarf zu reduzieren, setzen die Hersteller auf
Einzelfahrzeuge. Die Fliegengewichte werden zudem auf Geschwindigkeiten von nur
rund 80 km/h beschleunigt. Mit diesen Parametern sind Anschlusswerte von 500
KW, also 0,5 Megwatt, realisierbar. Energiespeichersysteme verringern die
Spitzenlast um ein weiteres, bringen jedoch bei den aktuell eingesetzten
Schwungrädern wieder die mechanische Verschleißkomponente ins Spiel
und sind in der Praxis nur für niedrige Anschlusswerte auf dem Markt
verfügbar. Hochleistungsbatterien, sogenannte Supercaps, können
Abhilfe schaffen. 2009 installierte Intamin erstmals ein derartiges System auf
dem 120 km/h schnellen LSM Coaster iSpeed im italienischen Mirabilandia. Der
Antrieb wird durch eine neuartige, wartungsfreie Supercap-Batterie gespeist,
welche zwischen den Launch-Zyklen aufgeladen wird. Die Spitzenlast wird dadurch
auf ein Drittel des benötigten Bedarfs während der Katapultsequenz
gesenkt.
LSM Launchcoaster sind im Trend. Neben den
Entwicklungspionieren Intamin und Premier Rides setzen nun auch andere
Hersteller auf dieses Zugpferd: Maurer Söhne machte mit Formule X in
Drievliet 2007 den Anfang, Gerstlauer folgt 2008 mit Lynet im dänischen
Faarup Sommerland und auch Mack Rides debütierte 2009 mit der Loopingbahn
Bluefire im Europa Park. Selbst der für gigantische Achterbahnen bekannte
Schweizer Hersteller Bolliger&Mabillard bietet seit einigen Jahren das
Produkt LSM für eine eigene Katapultcoaster-Generation an, konnte aber
bislang keinen Abverkauf platzieren.
Obwohl die elektrischen Linearbeschleuniger heutzutage mit
der Hydrauliktechnik konkurrieren müssen, sieht die Antriebstechnik bei
kleinen und mittleren Anlagen einer blühenden Zukunft entgegen: Zwischen
2009 und 2011 sind rund ein Dutzend neuer elektromagnetischer Launch Coaster
weltweit entstanden, unter anderem auch in kleinen Freizeitparks wie dem
deutschen Bayern Park. Dabei beschleunigen die meisten Anlagen ihre Züge
oder Einzelwagen auf Endgeschwindigkeiten von 80 bis 100 Stundenkilometern.
Superlative in Sachen Endgeschwindigkeiten werden jedoch den
Luft- und Hydraulikantrieben vorbehalten bleiben: Während S&S am
deutschen Nürburgring die anvisierten 217km/h mittels Luftdruckpower
bislang nicht erreichte, eröffnete Ende 2010 in der Wüste Abu Dhabis
mit Formula Rossa die schnellste Achterbahn der Welt: Das wuchtige
Hydraulikaggregat von Intamin beschleunigt den 16-sitzigen Formel 1 Zug
innerhalb von viereinhalb Sekunden von null auf 240 Stundenkilometer.
Text: Coastersandmore - jp Bilder / Skizzen:
Archiv, Coastersandmore, Disneyland Paris |
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