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Vereinigte Arabische Emirate - Die Wüste lebt (doch)?!

Die Kunstwelten von Las Vegas sind das Vorbild für Dubailand

Universal Studios, Ferrari, Warner Brothers - illustre Namen des Freizeitparkbusiness gieren nach neuen Besucherscharen. Diese werden zukünftig in den Vereinigten Arabischen Emiraten vermutet. Wo in den USA unter Six Flags aktuell hauptsächlich Familienachterbahnen favorisiert werden und Europas Freizeitparkwelt von einer "Heuschreckenplage" befallen ist, will man in den Emiraten Dubai und Abu Dhabi, bislang Entwicklungs"länder" in Sachen Achterbahnvergnügen, klotzen statt kleckern: 2005 sollte bereits der erste Park ans Netz gehen, doch Planungs- und seit 2008 auch Finanzierungsschwierigkeiten haben den "Traum" bis heute nicht verwirklicht. Zum Ende des Jahres 2010 soll tatsächlich der erste Themenpark eröffnen, die Mehrheit der angestrebten Projekte wurde aber bereits eingestellt.

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Vor fünf, sechs Jahren war die Euphorie groß: Im Jahre 2003 wurden vollmundig die ersten Parks für das Dubailand angekündigt. Inmitten eines 140 Quadratkilometer großen Wüstenareals, an der Ausfallstraße zwischen den Emiraten Dubai und dem 150 Kilometer entfernten Abu Dhabi gelegen, sollten gleich mehrere Shopping Center, Freizeitparks, Hotelanlagen und Sportarenen Heerscharen von Besuchern anziehen.

Die Themenparks wurden vor allem von den europäischen Top-Herstellern umworben, Verträge geschlossen und Anlagen konstruiert, doch zur Auslieferung kam es nie. Die Fata Morgana in der Wüste blieb nur ein Trugbild, die voreilig aufgepumpten Projekte wurden eingestampft, verschoben oder auf einen Bruchteil ihres ursprünglich geplanten Umfangs zusammengestrichen.

Dubailand heute

Wüstensand statt Sumpfgebiet: Das Dubailand will zweimal so groß wie die Walt Disney World in Florida (Bild) werden

2009 findet der Besucher im bislang selbst infrastrukturell kaum erschlossenen Dubailand eine FIA-lizenzierte Autorennstrecke, Ski Dubai und ein Amphitheater. Die angekündigten Achterbahnen können bis auf eine Ausnahme ausschliesslich auf einem staubigen Lagerplatz in Einzelteilen gesichtet werden: Geliefert und nicht aufgestellt.

Im Spätsommer ging dann aber doch ein kleinerer Park in Betrieb: Mit der Sega Republic eröffnete Ende August 2009 in der Dubai Mall am Fusse des Burj Dubai zwischen einem Kinokomplex und Kinderspielplatz die Spielwiese für Videogames-Fanatiker. Angelehnt an den Indoor Themenpark Joypolis in Tokio findet sich auf einer umbauten Fläche von zehn Fussballplätzen neben unzähligen Virtual Reality Simulatoren, Videospielen und einer aufwändigen Jeep Themenfahrt durch eine Dschungelwelt der Spinning Coaster Spin Gear der deutschen Firma Gerstlauer. Die kompakte Achterbahn führt auf 380 Metern teilweise durch die Dunkelheit und auch über den Köpfen der Besucher der Sega Themenwelt hinweg.

Für Konsumfreudige soll zudem 2010 die erste Phase der Mall of Arabia eröffnen, welche mit 30 Hektar Verkaufsfläche auf zwei Ebenen schlicht zur größten Mall der Welt proklamiert werden will. Die vollmundig angekündigten Freizeitparks sucht man bislang vergeblich, das Modell im Besucherzentrum des Dubailandes hält am visionären Gedanken der Traumwelt dennoch fest.

Dubailand ist der Oberbegriff eines gigantischen, über 100 Milliarden Dollar Bauprojektes von Wohnungen, Hotels und Freizeitzonen, eingebettet in einer kunterbunten Themenwelt. Das Gigantomanieprojekt entspringt der Vision von Dubais Regenten und Premierminister Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum. Der Milliardär verfolgt das ergeizige Ziel, den Wüstenemirat zum Drehkreuz der Welt ausbauen. Geplant wurde bis zum Jahre 2008 viel, selbst die Bagger waren tätig und die ersten Achterbahnkomponenten sind bereits in der Wüste angekommen.

Im Herbst 2008 erlitten viele der laufenden und auch ernst zu nehmenden Projekte einen starken Dämpfer: Der in Dubai staatlich vorangetriebene Bauboom kannte bis dato keine Grenzen. Mit der Finanzkrise im Herbst 2008 fielen die durch Spekulationen in astronomische Höhen angewachsenen Immobilienpreise ins Bodenlose. Der Bau von Wohnungen auf einer extra aufgeschütteten Insel erscheint plötzlich nicht mehr lukrativ genug. Es lasten nach Schätzungen rund 70 Milliarden Schulden auf den Immobilienfirmen des Landes, die erhofften Einnahmen bröckeln stetig weiter. Dem Emirat Dubai fehlt es seitdem an Geld, die gigantischen Parks wie geplant durch Immobilien-Abverkäufe zu finanzieren. Der Bau der dritten künstlichen Insel im Meer soll gestoppt worden sein. Budgets laufender Projekte wurden auf ein Minimum gestrichen oder die Realisierung vorläufig aus Eis gelegt.

Die Entwickler hinter dem Dubailand, Nakheel und Tatweer, kochen bislang auf Sparflamme. Vor allem die aberwitzigen Freizeitparks inmitten der Wüste hat es getroffen. Die Eröffnung der Universal Studios wurde um zwei Jahre verschoben, die Bauarbeiten gestoppt, fast sämtliche Planungsingenieure verloren ihre Jobs von einem Tag auf den anderen. Andere milliardenschwere Projekte wurden kurzerhand eingestellt: Six Flags, Dreamworks, Marvel Park, Busch Gardens, Sea World und das Legoland existieren nur noch auf dem Papier.

Motorsport Themenparks wollen Realität werden

Während die Ampeln im Dubailand aktuell auf Rot stehen, baut der "Mitbewerber" im Emirat Abu Dhabi fleißig am ersten Themenpark. Auf Yas Island, einer 25 Quadratkilometer großen Insel vor Abu Dhabi, entstand eine fünfeinhalb Kilometer lange Formel 1 Rennstrecke mit Yachthafen, welche das Flair Monacos in die Wüste brachte. Der erste Formel 1 Grand Prix auf dem Yas Marina Circuit im November 2009 war ein voller Erfolg.

Links: Yas Island aus der Vogelperspektive - Rechts: Das Layout des Katapultcoasters von Intamin

Die Erschließung der Insel soll durch den Themenpark Ferrari World nebst Shopping Mall, Wohnanlagen und Hotel Resorts mit zwei Golfplätzen vervollständigt werden. Das 25 Hektar große Ferrari Areal soll einerseits den Flair und die Kultur Italiens widerspiegeln, gleichzeitig aber auch die Autohistorie und die Rennsporterfolge von Ferrari festhalten.

Der Themenpark, dessen Eröffnung ursprünglich zur Formel 1 Premiere geplant war, will nun im Jahre 2010 folgen. Die Bauaktivitäten auf Yas Island sind in vollem Gange. Die Stahlstrukturen der beiden Gross-Achterbahnen stehen bereits, die weiteren Ausbauphasen inklusive Warner Brothers Themenpark sollen bis 2014 abgeschlossen sein.

Links

• Offizielle Webseite von Yas Island

Ferrari World Abu Dhabiist ein gemeinsames Projekt zwischen dem italienischen Automobilhersteller und der einheimischen Grundstücksfirma Aldar Properties. Die Insel wurde von der Regierung an die 2001 gegründete Holding Aldar übergeben. Das Unternehmen hält aktuell fünf Prozent der Anteile an Ferrari.

Das ambitionierte Projekt wirkt weitaus erwachsener als die kunterbunten Plastik-Träume in Dubai: In einer gigantischen, knallroten Themenhalle werden sich 24 Attraktionen den Besuchern darbieten, darunter ein Ferrari Museum, ein Paraglider Simulator aus dem deutschen Hause Huss, der zu einem Rundflug über die Schönheiten Italiens einlädt, die interaktive Factory Experience von Mack Rides, eine Wasserbahn von Hafema und ein knapp 60 Meter hoher Freifallturm mit Ausfahrt in die Wüstensonne ebenfalls von Huss.

Rendering des weiterhin geplanten F1-X Themenparks in Dubai

Das Herzstück der Ferrari World bilden jedoch zwei Achterbahnen von Weltklasseformat. Intamin wird einen zwei Kilometer Meter langen Katapultcoaster liefern, der den Zug mittels Hydraulikantrieb auf 240 km/h beschleunigen soll. Das Layout des F1 Coaster ist angelehnt an Desert Race im Heide Park, bietet jedoch aufgrund der Geschwindigkeit deutlich größere Kurvenradien wie auch mehrfache Airtime auf Camelbacks und Bunny Humps. Erste Baubilder zeigen, dass im Gegensatz zu Desert Race die weitäufigen Kurvenbögen mit knapp zwei Metern Höhe sehr bodennah plaziert sind, um das Geschwindigkeitsgefühl bewußt zu unterstreichen. Intamin präsentiert auf dieser Anlage erstmals ein neues Schienensystem, welches den langjährig verwendeten Fachwerkträger ablöst. Dabei wird eine Doppelrohrunterkonstruktion genutzt, die größere Abstände zwischen den Stützen garantiert. Dies ermöglicht vor allem ein deutlich schlankeres Erscheinungsbild der bis zu knapp 60 Meter hohen Camelbackfiguren.

Maurer Söhne ist Lieferant des Emotion Coaster, welcher sich als duellierende Achterbahn präsentiert. Statt in einem Formel 1 Ferrari sitzen die Mitfahrer in einem offenen Straßenwagen des italienischen Herstellers. Die beiden jeweils 1000 Meter langen Layouts werden größtenteils parallel geführt sein und die Illusion eines Straßenrennens bieten. Jede Strecke wird dazu insgesamt vier Launchabschnitte besitzen, die mit LSM Statoren ausgerüstet den dreigliedrigen Zug immer wieder auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigen. Die linearen elektromagnetischen Beschleunigerstrecken werden ein hautnahes "Race Feeling" mit Kick Starts und Zwischenbeschleunigungen ermöglichen. Das Layout präsentiert sich dabei äußerst bodennah - kein Bahnpunkt überschreitet die 15 Metermarke. Die Stahlstrukturen beider Großachterbahnen wurden im Sommer 2009 montiert und warten auf ihre Inbetriebnahmen, welche für 2010 vorgesehen sind.

Auch im Dubailand sollte bereits zum Jahresende 2008 ein Motorsport Themenpark durchstarten. Von allen angekündigten Projekten in Dubai war es das Fortgeschrittenste. Der 20 Hektar große F1-X sollte unter offizieller Lizenzierung von Bernie Eccelstones Formel 1-Zirkus eine Mixtur aus Achterbahnen und kleineren Karussells auf einem eng an die Rennstrecke angegliederten Außengelände bieten. Aktuell sind sämtliche Arbeiten gestoppt. Von offizieller Seite wurde bestätigt, dass ein neuer Investor für das 350 Millionen Projekt gesucht werden würde. Obwohl bereits viele Vergnügungsanlagen ausgeliefert wurden und das Projekt zu etwa der Hälfte fertig gestellt ist, hatte die Entwicklungsfirma Union Properties die Notbremse gezogen. Die Planungen sehen nun vor, den Themenpark 2011 oder später zu eröffnen.

Die Vision in der Wüste lebt weiter

Parkprojekte in Dubai und Abu Dhabi (Stand Winter 2010)

Ferrari World, Yas Island

In- und Outdoor Park mit Ferrari Museum, Simulatoren, Fahrschulen, Free Fall Tower und Achterbahnen mit Weltklassestatus - ein LSM Launch Coaster von Maurer Söhne mit zwei duellierenden Strecken sowie ein Katapultcoaster von Intamin

Geplante Eröffnung: 2010

Planung Themenpark: Jack Rouse Associates, USA, u.a. Harbor Land, Ningbo, China

Entwickler: Aldar

Status: Im Bau, Inbetriebnahme der Anlagen für Frühjahr/Sommer 2010 geplant

F1-X, Dubailand

Themenpark rund um die Formel 1 mit Launch Coastern, Loopingbahnen, Simulatoren und kleineren Rundfahrgeschäften auf einer Fläche von 20 Hektar. Der F1-X Themenpark soll Teil von Dubais Motor City werden.

Geplante Eröffnung: 2011 oder später

Voraussichtliches Budget: 350 Millionen Euro

Planung Themenpark: Forrec, Kanada

Status: Bau und Projekt bis auf weiteres gestoppt

Marvel Theme Park, Dubailand

Comicwelt mit Rides und Shows zu Superhelden wie Spiderman, X-Men, Iron Man und den Fantastic Four.

Geplante Eröffnung: 20??

Voraussichtliches Budget: 800 Millionen Euro

Betreiber: Marvel Entertainment, Al Ahli Goup

Status: Planungen bis auf weiteres gestoppt

Six Flags Dubailand, Dubailand

Auf einer Fläche von 46 Hektar inmitten des Dubailands sind neben der bekannten Kombination rasanter Achterbahnenkreationen auch weltberühmtes Entertainment-Franchising, wie das Kindermusical Wiggles und den Profi-Skateboardfahrer Tony Hawk, geplant.

Geplante Eröffnung: 20??

Betreiber: Six Flags, Tatweer - Entwickler Dubailand

Status: Planungen bis auf weiteres gestoppt

Universal Studios Dubailand, Dubailand

Der 200 Hektar große Themenpark soll in zwei Bereiche untergliedert werden: Studios City soll Hotels mit über 4000 Zimmern sowie Geschäfts- und Restaurantszeilen ähnlich den bisherigen Angeboten in Orlando und Los Angeles bieten. Universal Studios Dubailand stützt sich auf bekannte Ride-Lizenzen der NBC Gruppe, u.a. Jurassic Park River Adventure und Revenge of the Mummy. Große Neuentwicklungen sind nicht zu erwarten, jedoch soll das kulturelle Gut der Vereinigten Arabischen Emirate in Fahrgeschäften wie Eighth Voyage of Sinbad und Aladdins Magic Carpet Ride berücksichtigt werden.

Geplante Eröffnung: 2012

Voraussichtliches Budget: 2 Milliarden Euro

Entwickler: Tatweer, Entwickler Dubailand

Status: Bau und Projektierung bis auf weiteres gestoppt

Warner Brothers Themenpark, Yas Island

Filmpark mit Shows, Wasser- und Achterbahnen unter der Lizenzierung von Warner Brothers inklusive Kino- und Hotelkomplex

Geplante Eröffnung: 2014

Entwickler: Aldar

Status: in Planung

Worlds of Discovery, The Palm Jebel Ali

An der Spitze der künstlichen Palm Island Jebel Ali werden mit Sea World, Busch Gardens, Aquatica und Discover Cove gleich vier Themen- und Wasserpaks entstehen. SeaWorld Dubai wird viele der Attraktionen umfassen, die bereits die Besucher der Schwesterparks in den Vereinigten Staaten genießen können. Dazu zählen Attraktionen mit Killerwalen, Delfinen und Seelöwen sowie Fahrgeschäfte mit Meeresthemen.

Geplante Eröffnung: 20??

Planung Themenpark: Busch Entertainment Corporation

Betreiber: Nakheel

Status: Planungen bis auf weiteres gestoppt

Die Planungsbereitschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten kannte bis zum Herbst 2008 keine Grenzen. Gerade im Dubailand waren neben Motorsport- und Filmparks noch weitere ambitionierte Pojekte vorgesehen. Marvel, 2008 mit Iron Man erfolgreich als ausführendes Produktionsstudio ins Filmgeschäft eingestiegen, plante gleich einen ganzen Themenpark rund um seine Comic Superhelden. Und selbst die angeschlagene Six Flags Gruppe wollte sich im Dubailand positionieren.

Universal Studios Florida

Lizenzgeber Universal hat unlängst mit den Erdarbeiten für einen Studio Park in Dubai begonnen. Aktuell sind diese unterbrochen, Verträge mit Lieferanten wurden auf Eis gelegt. Viel Neues wird Universal Studios Dubailand nicht aufbieten. Hauptsächlich sind Kopien aus den US-Parks geplant, wie zum Beispiel der Indoor Coaster Revenge of the Mummy, die Waterworld Stuntshow, ein als Rapid River gestaltetes Jurassic Park River Adventure (die deutsche Hafema liefert beispielsweise eine ähnliche Anlage nach Universal Sentosa) oder der duellierende King Kong Coaster im "inverted Design". Das bekannte Universal Eingangstor steht bereits, die Lagune inmitten des Parks wurde schon im Wüstensand ausgehoben. Insgesamt fünf Themenereiche wollen bis 2012 realisiert werden: Hollywood, New York, Surf City, Epic Adventures und Legendary Heroes buhlen dann gemeinsam um die Gunst der Besucher. Das kulturelle Gut der Vereinigten Arabischen Emirate wird in Fahrgeschäften wie Eighth Voyage of Sinbad und Aladdins Magic Carpet Ride berücksichtigt werden.

Letztendlich sind alle Dubailand Projekte auf unbestimmte Zeit verschoben. Ob sie jemals realisiert werden ist ungewiss. Die Erfolgschancen sind niedrig, einzig und allein für den F1-X und die Universal Studios könnten die Ampeln bald wieder auf Grün stehen. Die Antwort hängt vom Willen potentieller Investoren und dem Erfolg der Ferrari World ab. Deren Bauaktivitäten sind als einzige im vollen Gange, schließlich hat Aldar mit dem Emirat Abu Dhabi einen weitaus potenteren Geldgeber hinter sich als sämtliche geplanten Themenpark Destinationen im Dubailand.

Text: Coastersandmore - jp
Bilder: Aldar, Dubailand, F1-X, Coastersandmore

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