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Universal's Islands of Adventure: Marvel Super Hero Island

Links: Art Deko in der Comicwelt - Rechts: The Incredible Hulk im First Drop

Die Insel der Superhelden ist für viele Besucher das erste Ziel auf ihrer Abenteuerreise über die Islands of Adventure, liegt sie doch im Uhrzeigersinn unmittelbar neben dem Port of Entry. Die lebensgroße Comicwelt ist das Zuhause der amerikanischen Actionhelden aus dem Marvel Verlag, der mit seinen unzähligen Figuren wie den X-Men, Captain America oder Spider-Man seit den 1960er Jahren den Markt revolutionierte. Zur Eröffnung der Islands of Adventure war das Verlagshaus Marvel kurz vor der Pleite, rund zehn Jahre später reitet man auf einer bislang unicht abklingenden Erfolgswelle, die vor allem mit der Lizenzierung der Charaktere für Hollywood Blockbuster einherkam: Superman, die Fantastic Four oder Daredevil sind selbst in Europa nicht nur den Comicsammlern ein Begriff.

Marvel Super Hero Island bietet dem Besucher ein im Art-Deco Stil gestaltetes Manhattan, das mit poppigen Farben und fast kitschiger Architektur aufwartet. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem drei Comicfiguren aus den unzähligen Charakterrepertoire der Marvel Serien: Der gute Spider-Man, der böse Doctor Doom und die grüne, monströse Gestalt des Hulk, in die der Wissenschaftler Bruce Banner seit einem Strahlenunfall unfreiwillig mutieren kann.

Letztere Supergestalt ist es auch, der sich die flächenmäßig größte Attraktion des Themenbereiches widmet. Von weitem schon ist die wuchtige, stählerne Struktur des The Incredible Hulk Coaster sichtbar. Die Loopingbahn aus dem Schweizer Hause Bolliger & Mabillard bietet nicht weniger als sieben Inversionen und wurde auf Wunsch von Universal mit einem Katapultstart ausgestattet. Bislang ein Novum, da B&M aus purer Entschlossenheit bislang keinen Launch Coaster ausliefern wollte.

Verwandte Themen

• The Incredible Hulk Coaster

Im Hintergrund des grünen Hulk Monsters dreht sich seit Mitte 2000 Storm Force Accelatron, ein Rundfahrgeschäft mit drei Drehachsen aus dem deutschen Hause Mack Rides, das sonst oft eine Thematisierung mit Tee- oder Kaffeetassen erhält. Dabei unterstützen die Fahrgäste den X-Men Charakter Storm, um den Widersacher Magneto in wirbelnden Kreisen zu bezwingen. Marvel Super Hero Island ist zudem Heimat des Superhelden Spider-Man, der im Kampf gegen die Widersacher im nächtlichen New York begleitet werden will - Ein Ride, der regelrecht Maßstäbe setzte und selbst fast zehn Jahre nach seiner Premiere die Mitfahrer in Staunen versetzt.

Die Skyline des Marvel Super Hero Lands mit dem Incredible Hulk Coaster im Vordergrund

The Amazing Adventures of Spider-Man
Für einen 100 Millionen US-Dollar teuren Action-Ride kommt der Eingangsbereich von The Amazing Adventures of Spider-Man recht unspektakulär daher. Keine Turm- oder Schienenkonstruktion wie beim benachbarten Hulk Coaster weisen auf dieses unglaubliche High-Tech Fahrgeschäft hin, welches in einer fast Fußballplatz großen umbauten Halle Platz findet. Einzig und allein die Spider-Man Figur thront über dem Eingang des Verlagshauses der Daily-Bugle Zeitung.

The Amazing Adventures of Spider-Man ist eine Kreuzung aus Simulator, 3-D Kino und Dark-Ride, welche unter der Leitung des hauseigenen Entwicklerteams von Universal Creative erschaffen wurde und im Jahre 1999 zur Eröffnung der Islands of Adventure die Meßlatte für Themenparkattraktionenum um ein Vielfaches höher legte. Selbst die beeindruckenden Disney Kreationen Indiana Jones Adventure im Disneyland in Kalifornien oder Dinosaur im 15 Meilen südlich gelegenen Animal Kingdom werden von Spider-Man bei weitem übertroffen, denn hier bewegen sich die Fahrgäste durch die dreidimensionale Comicwelt des Protagonisten, wobei die Kulissenbauten mit der virtuellen Realität von 3D-Filmprojektionen und Live-Actioneffekten zu einem vollkommen neuen Erlebnis verschmelzen.

Impressionen aus der Doom Alley

Links: Der Einganz zu Spider-Man - rechts: Spideys Erstkontakt mit den Scoop Insassen

Das Abenteuer beginnt in der Eingangshalle des Verlagshauses der Tageszeitung Daily Bugle, in dem der Protagonist Peter Parker alias Spider-Man als freier Fotograf zuarbeitet. Der Wartebereich führt durch unzählige Flure und Büros, die allesamt menschenleer sind - Telefone läuten, Stories auf den Bildschirmen sind nur halb fertig verfasst. Die Fernseher geben Aufklärung: Der tentakelarmige Dr. Octopus und seine Sinister Syndicate Gang haben mit Hilfe einer Antigravitationskanone die Freiheitsstatue "entführt" und drohen nun ganz New York als Geisel zu nehmen.

Die Mission der Gäste: Das neue Newsmobil "Scoop" zu besteigen, um dem geldgierigen Verleger J. Jonah Jameson eine seitenfüllende Story abzuliefern. Ausgestattet mit "Nachtsichtbrillen" nehmen jeweils zwölf Personen in den vollautomatisch gesteuerten Scoop-Fahrzeugen Platz, um aus dem Moloch von Manhatten über die aktuellen Geschehnisse zu berichten. Die Fahrt beginnt und man bleibt im hochtechnisierten Scoop nicht lange vor den fiesen Attacken der Syndikatsmitglieder verschont. Und wenn Doc Oc seine Antigravitationskanone auf das Gefährt richtet, sind die helfenden Netze von Spider-Man nicht fern... .

Obwohl die Story während der kurzweiligen Fahrt recht diffus daherkommt, können die Effekte vollkommen überzeugen. Diese reizen alle Sinne, der Fahrgast erlebt ein Spektakel, welches stellenweise unfassbar wirkt. Dabei bilden vor allem die 13 gigantischen Leinwände, welche durch die Verwendung gleicher Texturen im 3D-Film wie in der Kulisse nahtlos miteinander verschmelzen, die eigentlichen Schauplätze der Protagonisten. Ob ein Angriff mit Feuerbällen oder die Attacke mit der berüchtigten Antigravitationskanone - Die Fahrgäste erleben durch ihre Polarisationsbrillen eine neue Dimension der Simulationsshow. Dabei erschaffen die plastischen dreidimensionalen Animationen mit der gleichzeitigen Bewegung des Fahrzeugs sowie diverser Spezialeffekte eine äußerst glaubwürdige Comicwelt. Wenn Spider-Man auf den Scoop springt, schaukelt dieser von der einen zur anderen Seite, wird bei einem Angriff eines Schurken mehrfach um die eigene Achse gewirbelt oder vollzieht bei einem 150 Meter tiefen Fall in die Straßenschluchten Manhattans schlingernde Taumelbewegungen.

Der um sechs Achsen bewegliche Fahrgastträger wurde von den Ingenieuren des amerikanischen Maschinenbauunternehmens Moog entwickelt, welches als nahmhafter Zulieferer der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie im Bereich der Servohydraulik und Steuerungstechnik tätig ist. Auch wenn sich die Wagen nur wenige Dutzend Zentimeter hin- und herbewegen, kann die in Sekundenbruchteilen durch diverse Aktuatoren erzeugte Beschleunigung im Zusammenspiel mit dem visuellen Erlebnis den Gleichgewichtssinn fast beliebige Geschwindigkeiten vorgaukeln. Sechs elektromagnetisch angetriebene Freiheitsgerade sorgen für diese unglaubliche Bewegungsfreiheit des Gefährts: Die Plattform kann hoch und runter bewegt werden, nach vorne und hinten kippen, sich von der linken auf die rechte Seite legen, sich in alle vier Himmelsrichtungen bewegen und mehrfach um die eigene Achse rotieren. Das Gefährt bleibt auf dem schienengeführten Parcours immer in Bewegung.

Darüber hinaus wird über 16 digitale Kanäle ein dynamischer 3-D-Sound aufgefahren, der durch in der Kulisse platzierte Boxen verstärkt wird. Wenn der Scoop etwa riesigen Flammengeschossen gerade noch ausweichen konnte, explodiert im Hintergrund der Kulisse ein gewaltiger Feuerball. Doch es werden noch weitere Sinnesorgane beansprucht: Verborgene Gebläse pusten den Insassen Fahrtwind ins Gesicht, und wenn Doctor Octopus auf der Leinwand den Flammenwerfer zündet, wallt echte Hitze auf.

Dr. Dooms Fearfall ist ein S&S Doppel Space Shot Tower

Um diese geballte Ladung an Effekten zu einer Einheit verschmelzen zu lassen, war eine über mehrere Monate andauernde Synchronisationsarbeit von Nöten: Alleine im Scoop überwachen drei voneinander unabhängige Prozessoren die Bewegungen der sechs Freiheitsgerade, schließlich müssen diese bis auf fünf Millisekunden mit den Bewegungen des Geschehens auf den stationären Leinwänden getimt sein. Desweiteren sorgen 70 vernetzte Computer für das korrekte Zusammenwirken der weiteren Effekte wie sich bewegenden Kulissen, pyrotechnischen Explosionen und dem glasklaren Digitalsound.

Für Spider-Man mussten die Entwickler eine besondere Hürde absolvieren: Normalerweise verfliegt die Illusion der Raumbildprojektion, sobald sich die Zuschauer auch nur wenige Zentimeter an der Leinwand vorbei bewegen. Der 3D-Eindruck aus Einzelbildern für das linke und rechte Auge fügt sich nur aus einer einzigen Blickrichtung schlüssig zusammen. Nach zeitraubenden Experimenten fanden die Techniker eine Lösung: Sie schrieben ein Computerprogramm, das die Bewegung der Zuschauer in das 3D-Modell der Computeranimation einbezieht. Das "Squinching"-Programm verzerrt die 3D-Bilder derart, dass für den bewegten Zuschauer eine stabile Perspektive entsteht. Fast drei Jahre bastelten die Spezialisten der Animationsfirma Kleiser-Walczak an den zwölf nur wenige Sekunden dauernden Clips. Das Handwerk dazu erarbeiteten sie sich unter anderem als Special Effects Zulieferer für das Hollywood Action Spektakel X-Men. Um die Perspektive zu jedem Zeitpunkt der Fahrt stabil zu halten, mussten sämtliche Bewegungen des Fahrzeugs, sein Standort und die Positionen der insgesamt 25 entlang der Strecke verteilten 70mm Filmprojektoren wie auch der meist gewölbten Leinwände innerhalb einer Computersimulation erfasst werden. Mit diesem Input konnte der selbst entwickelte Algorithmus die vorher erstellten 3D-Bilder der Filmclips verzerren. Insgesamt wurden 16.000 Frames bearbeitet.

Linktipps

• Webseite de Animationsexperten von Kleiser-Walczak

Das Ergebnis ist ein perfektes Showerlebnis und treibt die Entwicklung der Dark-Rides in eine neue, bisher unbekannte Dimension vor. Das Gehirn gibt auf und die virtuelle Realität verschwimmt zu einer atemberaubenden Einheit. Erst nach Verlassen des kurzweiligen Effektspektakels holt der Merchandising-Shop die Fahrgäste zurück in die Realität des Themenparks. Nur eines kann dieser Ride nicht erfüllen: Die Interaktion der Fahrgäste mit dem Geschehen, doch die Kreativen von Universal werden sicherlich auch diese Hürde in den nächsten Jahren bezwingen werden.


Dr. Doom's Fearfall
Ein weiterer Adrenalinkick im Marvel Super Hero Island wartet in der etwas abgeschiedenen Doom Alley. In der dunklen Gasse empfängt die Foltermaschine des Doktor Doom die vom sicheren Hauptweg abgekommenden Besucher. Sein Fearfall stellt sich als Doppel-Spaceshotanlage der amerikanischen Luftexperten S&S heraus. Die unter hohen Druck stehende Luft katapultiert dabei die beiden Fahrgastträger in Windeseile zwei stählernde Türme hinauf, wo sich dem Besucher ein guter Rundumblick auf das Universal Orlando Areal bietet. Im Vergleich zu den anderen Großattraktionen des Parks sind die Türme nichts Einmaliges, bevölkern doch diese Konstruktionen fast jeden Freizeitpark und eine entsprechende Aufwertung der Fahrt sucht der Besucher vergeblich.

Ein letzter Blick auf das Universal Orlando Resort - von links nach rechts: Islands of Adventure, City Walk und im Hintergrund die Universal Studios Florida

Fazit
Der Standort Orlando verpflichtet, bietet Walt Disney World doch das perfekt inszenierte Freizeitvergnügen. Die Erwartungen an Universal waren also entsprechend hoch, als der neue Themenpark angekündigt wurde. Und die Islands of Adventure haben die Erwartungen mehr als erfüllt. Die Thematisierung ist opulent und stimmig bis ins kleinste Detail.

Kauftipp

• Universal Orlando: The Ultimate Guide to the Ultimate Theme Park Adventure - Der einzige eigenständige Reiseführer durch das Universal Resort in Florida

Auch die Attraktionen bieten alles, was das Herz begehrt. Die Dueling Dragons sind vielleicht nicht die spektakulärsten Bahnen ihrer Art, aufgrund ihrer Gestaltung und der drei Begegnungen der Züge jedoch ein atemberaubendes Erlebnis. Mit The Amazing Adventures of Spider-Man, Popeye & Bluto's Bilge-Rat Barges und Dudley Do-Right's Ripsaw Falls versammeln sich drei weitere Weltklasseattraktionen am nördlichen International Drive. Zwar merkt man am Incredible Hulk Coaster, dass auch an Achterbahnen von B&M der Zahn der Zeit nagt, doch insgesamt ist der Park nach acht Jahren mindestens so gut in Schuss wie am ersten Tag. Wenn sich ein thematisierter Thrillpark zu der Weltspitze zählen möchte, muss er sich wohl an den Islands of Adventure messen lassen.

Text: Coastersandmore - jp, Bilder: Universal Orlando, Coastersandmore

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