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Vorbei am riesigen Werksgelände von Krupp Thyssen Nirosta führen die Straßenschilder Richtung Autobahn. Das Gelände des Edelstahlgiganten ist groß, sehr groß. Zur Linken sind die üblichen Gewerbeansiedlungen zu erkennen: T-Systems oder die Hauptniederlassung von Canon Deutschland haben sich hier niedergelassen. Irgendwann ist die südliche Grenze des Industriegeländes erreicht. Wiesen und Äcker lösen die Werkshallen ab, noch 250 Meter bis zur Autobahn. Plötzlich taucht ein zwei Meter hohes Schild am Straßenrand auf. Ein nach rechts gerichteter Pfeil deutet in Richtung eines staubigen Weges. Reichlich uninteressant, ständen nicht in schwarzen Lettern drei entscheidende Worte auf der überdimensionalen Tafel: "Universal Studios Germany".

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Islands of Adventure - Universals neueste Themenparkkreation unter der Lupe

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Erstaunt geht der Blick nach rechts: Die sandige Straße scheint ins Niemandsland zu führen, von einem Themenpark keine Spur! Wie auch? Das Kleingedruckte sollte schließlich auch gelesen werden: Entwicklungsgesellschaft ist dem Hinweisschild zusätzlich zu entnehmen.

Ginge es nach Wilfried Hampe, Geschäftsführer der hier residierenden Gesellschaft, würden schon seit dem Jahre 2002 die Bagger das 86 Hektar große Gelände an der südlichen Stadtgrenze von Krefeld bearbeiten. 2006, pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft, hätte das Vergnügungsresort mit Direktanbindung zum Düsseldorfer Flughafen seine Tore öffnen können. Es kam anders: Erst wurden dem Großprojekt seitens der Krefelder Kommunalpolitik Hürden in den Weg gestellt, es folgte der 11. September und die Muttergesellschaften des Hollywood Studio Universal wechselten wie am Fließband. Die fanzösische Muttergesellschaft Vivendi Universal hatte mit Finanzproblemen zu kämpfen, dann stieg der amerikanische Mischversorger General Electric ein, doch eine Entscheidung erfolgte nie.

Die Stadt Krefeld hat jüngst angekündigt, einen veränderten Bebauungsplan für die von den Universal Studios Germany beanspruchten Flächen zu veröffentlichen. Aus der Traum vom Hollywood in Germany? Die nüchterne Antwort lautet ja! Die Stadt wartete bis zum Mai 2004 monatelang auf eine Reaktion des Planungsstabes der Universal Studios Germany. Ein ernst zu nehmendes Interesse besteht nach Ansicht der Stadt Krefeld am Gelände nicht mehr.

Der nachfolgende Text gibt in allen Einzelheiten wieder, welche Hürden das Projekt zu nehmen hatte und welche Dimensionen das "Hollywood von Krefeld" in den Köpfen der Planer angenommen hatte.

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Schon seit einigen Jahren versucht die Grundstückseigentümerin, die Thyssen Krupp Immobilien AG, Teile ihres ungenutzten Betriebsgeländes im Krefelder Süden zu veräußern. Bislang vergeblich: Als Gewerbefläche ließ sich die Fläche nicht lukrativ vermarkten, also liebäugelte die Eigentümerin mit einem Verkauf an Investoren aus der Entertainment Industrie - ein höherer Grundstückspreis inbegriffen. Der Filmmulti MGM war in den 90ern im Gespräch, doch die kühnen Pläne verpufften schneller als gedacht. 1998 tauchten Spekulationen über Verkaufsabsichten in der Frankfurter Rundschau auf. Thyssen Krupp habe sich Wilfried Hampe, damals noch als Investor und Geschäftsführer des angedachten, 250 Millionen Euro teuren Freizeitparadieses "Planet Harz" tätig, Landmark, eine der führenden, weltweiten Planungsgesellschaften für Entertainment-Projekte - u.a. Caesars Palace in Las Vegas oder das Showerlebnis Terminator 2-3D - und die Universal Studios aus Hollywood ins Boot geholt.

Eine grüne Wiese - Hier soll das IEC entstehen

1998 bereicherten zwei Universal Parks die Themenparkwelt, die beiden US-Filmparks in Hollywood und Orlando. Während das Gelände in Kalifornien, direkt neben den traditionellen Universal Filmstudios gelegen, den Gästen verstärkt einen Blick hinter die Kulissen des Filmkonzerns gewährt, war die Intention für das heute zu einem Resort ausgebaute Gelände in Florida eine andere: Hier wollte man am Erfolg der unweit gelegenen Walt Disney World teilhaben und errichtete auf einem brachliegenden Gelände eine Filmwelt mit einer Vielzahl an Shows und Fahrgeschäften. Einige Attraktionen waren schon aus Hollywood bekannt, andere wurden speziell für diesen Park geschaffen. Ein "working" Studio wird ebenfalls nicht vermisst, dieses fungiert jedoch eher nur als Beiwerk.

Die Qualität der Universal Parks ist vergleichbar mit den Traumwelten der Disney Company. Auffallender Unterschied: Der Großteil der Attraktionen spricht auch das ältere Publikum an. "Terminator", "Jurassic Park", "Der weiße Hai" oder die "Men in Black" sind nur einige Beispiele. Auch die kühnen Pläne für den deutschen Ableger beinhalteten derartige Motive.

Rechte Bildhälfte: Einfahrt zum Gelände

1998 war diese Vorstellung recht abwegig und wurde von Branchenexperten als Luftnummer bewertet, doch die aufkommende Expansionspolitik international tätiger Unternehmen im Freizeitparksektor sollten die Chancen des Projektes "Universal Germany" vergrößern. Nachdem schon 1992 der Walt Disney Konzern den europäischen Kontinent mit seinem Disneyland Resort Paris eroberte, drängten weitere US-Unternehmen nach Europa. Paramount (Viacom), Six Flags und für kurze Zeit auch Time Warner gaben ihr Stelldichein. Die Unterhaltungskonzerne rüsteten vor dem Millennium auf - um jeden Preis. Vergessen schienen die milliardenschweren Verluste der Euro Disney SCA, jeder wollte sich Zugang zum europäischen Markt verschaffen.

Statt eines einzelnen Freizeitparks stehen sogenannte Resorts im Fokus des Interesses: Mit Hotels, Wellness-Bereichen und Confertainment Angeboten wird das Arrangement lukrativer für Firmenveranstaltungen oder Wochenendurlaube. Disney hat es vorgemacht und selbst der ein oder andere gewachsene Freizeitpark weitet sein Geschäftsfeld auf diese Bereiche aus - Der Europa Park in Rust ist als Paradebeispiel zu nennen.

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Terminator 2 3D - Universals multimediales Showspektal

Dueling Dragons - Die Giganten unter den Achterbahnen stellen sich dem Duell

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Der von Universal anvisierte Standort Krefeld wäre sogar der zweite in Europa: Schon in der Entwicklungsphase beteiligte sich der Medienkonzern am 1995 eröffneten Port Aventura in Spanien, übernahm später die Anteile der englischen Tussauds Gruppe und erweiterte den Themenpark zu einem großen Vergnügungsresort mit Hotels und einem Wasserpark. Während sich auf dem amerikanischen Freizeitparksektor eine gewisse Stagnation eingestelt hatte, wurde die Expansion außerhalb Nordamerikas verstärkt. So baut Disney seine Präsenz im asiatischen und europäischen Raum aus, und die neu formierte Vivendi Universal Gruppe eröffnete Anfang 2001 ihren ersten Übersee-Park in Japan. Für 1,38 Mrd. US-$ wurden die Universal Studios Japan erschaffen, die im rezessionsgeschwächten Industrieland ihre Erwartung an die Besuchszahlen weit übertreffen konnten: Nach gerade einmal 338 Tagen wurde der zehnmillionste Besucher begrüßt. Pläne für weitere internationale Parks, darunter auch in Shanghai, drangen bereits nach außen.

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Und was ereinigte sich am Standort Krefeld? Dort wurde auf einer Pressekonferenz kurz vor den Ostertagen 2001 die Absicht zum Bau eines sogenannten "International Entertainment Centers", kurz IEC, von Seiten der für die Vermarktung des Areals beauftragten Thyssen Immobilien GmbH bestätigt. Auf stolze 850 Millionen Euro wurde das Investitionsvolumen beziffert. Neben einem auf 30 Hektar veranschlagten Themenpark nach dem Vorbild der bekannten Universal Parks sollten bis zum Jahre 2005 zwei Hotels mit Konferenzzentrum, eine Entertainment Zone und eine Wasserwelt entstehen. Die Planer rechneten mit bis zu dreieinhalb Millionen Besuchern. Auch die weiteren Zahlen blickten in eine optimistische Zukunft: Der angestrebte Jahresumsatz wurde auf 300 Millionen Euro beziffert, 3500 Arbeitsplätze sollten im direkten Umfeld des Centers entstehen, 3500 weitere in der Region. Eine unterzeichnete Absichtserklärung mit Universal liege vor, nur über potentielle Investoren wurde nichts verlautbart.

Die Meldung sorgte in Krefeld für Aufsehen. Vergleichbare Destinationen sind in Europa nur noch zweimal zu finden: In Paris lädt seit 1992 das Disneyland Paris Resort mit seinen nunmehr zwei Themenparks zu einen längeren Aufenthalt ein und an der spanischen Ostküste wurde der größte nationale Freizeitpark Port Aventura von Universal zum Universal Mediterranea ausgebaut. Nachdem die Meldung über die internationalen Ticker gelaufen war, stellten sich zwei Fragen: Wird der Krefelder Stadtrat dem Großprojekt entgegenkommen? Und inwieweit steht der französische Mischkonzern Vivendi Universal hinter diesem Projekt?

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Men in Black - Interaktiver Darkride

Während die erste Frage nach unzähligen Hürden erst elf Monate später beantwortet werden sollte, war die andere Frage leichter zu klären. Herr Wilfried Hampe von der eigens eingerichteten Entwicklungsgesellschaft gab hierzu folgende Stellungnahme: "Das Projekt in seiner heutigen Form wurde von Thyssen Krupp und Hampe & Partner angestoßen. An der Ideenfindung waren mehrere Gruppen beteiligt, u.a. auch Landmark, die im Auftrag von Thyssen Krupp einen ersten Konzeptdesign-Entwurf und Masterplan produziert haben. Die Idee, das Grundstück in Richtung Freizeit zu entwickeln, besteht schon seit vielen Jahren, wo es vorher auch schon einige nicht weitergeführte Konzeptentwicklungen von anderen gab. Neue Planungen sind aus der Kooperation zwischen Universal, Tree AG und Thyssen Krupp Immobilien entstanden."

Die Tree AG ist ein Full-Service-Unternehmen im Bereich innovativer Freizeit- und Tourismusimmobilien, deren Hauptgesellschafter in der Person Wilfried Hampes zu suchen ist. Auf dieser Ausgangsbasis wurde die seit Ende 2001 auf dem vorgesehenen Gelände residierende Entwicklungsgesellschaft formiert, an der als Gesellschafter Universal Studios International, Thyssen/Krupp Immobilien, Tree AG, Commerzbank Leasing & Immobilien und die Westdeutsche Immobilienbank beteiligt sind.

Kulisse

Der Auftrag: Auf Basis der seit Sommer 2001 vorliegenden, positiv ausgefallenen Machbarkeitsstudie sollte in Abstimmung mit der Stadt Krefeld und dem Land NRW in der ersten Jahreshälfte 2002 das Konzept für das IEC ausgearbeitet werden. Auftrag ferner: Vertragliche Festlegungen für Investoren- und Betreibergesellschaft. Parallel dazu sollten Stadt und Bezirksregierung die planungsrechtlichen Schritte einleiten. Timing: Inbetriebnahme des IEC 2005, spätestens 2006.

Bis zum Frühjahr 2002 waren zwei "Masterpläne" an die Öffentlichkeit gelangt. Der erste, noch von Landmark entwickelte, zeigt den Entwicklungsstand aus dem Jahre 1999. Dafür verantwortlich war Charles Chancilier, der u.a. auch bei den Planungen von Islands of Adventure, dem neuesten Universal Park in den USA, involviert war. Eine Weiterentwicklung dessen wurde betrieben. Dabei präsentierte sich das Areal in einem fortgeschrittenen Planungsstadium: Neben der Infrastruktur - Parkhäuser, Anbindung, etc. - waren sämtliche Einrichtungen des Themenparks, der Entertainment Zone und die beiden Hotels abgebildet. Ein weiterer Grundrissplan zeigte speziell den recht weit entwickelten Themenpark und gab Aufschluss über die einzelnen Themenbereiche und Attraktionen: Vom Dueling Inverted Coaster über eine Waterworld Stunt-Show bis zum Jurassic Park River Adventure reicht die Palette. Es ist eine Mischung aus den bekannten Attraktionen der Universal Studios und der 1999 in Orlando eröffneten Islands of Adventure, deren Attraktionen in vielen Belangen neue Maßstäbe setz(t)en.

Blick über die weite Seefläche des Universal Filmparks

Dazu Wilfried Hampe im Frühjahr 2002 gegenüber Coastersandmore.de: "Universals Planungsabteilung Universal Creative ist vollständig für die Planung des Themenparks verantwortlich. Die anderen Projektbestandteile werden durch die Tree AG geplant. Eine offizielle Veröffentlichung von Bildern zu Universal Studios Germany gibt es bisher nicht. Die Planung ist ein ständig fortlaufender Prozess. Die erwähnten Zeichnungen zeigen den Planungsstand von vor etwa einem Jahr. Die Liste der Attraktionen ist nicht als endgültig zu verstehen. Einige der Attraktionen sind nur Statthalter für neue, die im Moment bei Universal in Planung sind, aber verständlicherweise noch geheim bleiben müssen. Jedoch ist die Mischung aus Filmpark und Islands of Adventure durchaus eine der Entwicklungsrichtungen." Und noch etwas wird betont: "Kein Kitsch, keine Konkurrenz", dieser Park werde "das Beste sein, was es in Europa gibt. Rosige Aussichten!? 2002 sah Wilfried Hampe die Chance für dieses Großprojekt bei fast 100 Prozent.

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Bis zu dieser Aussage sollte das Projekt schon unzählige Hürden genommen haben. Es ereinigte sich ein Schauspiel, welches plakativ als "Posse aus der Provinz" bezeichnet werden kann. Das Projekt der Superlative wurde anfangs von diversen Krefelder Interessenverbänden, einigen Parteien und von vielen Krefelder Bürgern sehr skeptisch aufgenommen und gerade diese negative Haltung belastete das Projekt zunehmend.

Nach Offenlegung der ersten Absichtspläne zum Frühjahr 2001 mehrten sich die kritischen Stimmen. Diversen Krefelder Verbänden und der kommunalen CDU war das Projekt ein Dorn im Auge; statt des kurzweiligen Ortes des Vergnügens sollte ein Gewerbegebiet auf dem 74 Hektar großen Gelände entstehen. "Welches Niveau handeln wir uns ein?", konnte der Krefelder Einzelhandelsverband zitiert werden. Gerade diese Interessengruppe hat schon seit einigen Jahren im geschwächten Stadtumfeld stark zu kämpfen.

City Walk in Orlando

Die Konkurrenz durch die Einkaufsmall Centro in Oberhausen, der großen Einkaufsstraßen in Düsseldorf oder kleinere Gemeinden mit einem durchaus lukrativeren Angebot an Geschäften ist groß, die früher ansehnliche Einkaufsstadt wird mehr und mehr von den Kunden vernachlässigt - Geschäftsaufgaben und ein anwachsendes, qualitativ niedriges Geschäftsniveau innerhalb der Spitzenlagen inklusive.

In diesen schlechten Zeiten befürchteten die lokalen Geschäftsinhaber mit Universal eine noch größere Konkurrenz: 10.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche sind im Universal-Komplex vorgesehen. Der Schwarzmalerei entsprangen nach Bekanntgabe dieser beeindruckenden Zahl die abenteuerlichsten Szenarios. "Das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese wäre eine direkte Konkurrenz zur Innenstadt, die damit noch mehr Kundschaft verlieren würde." Dass Universal nur themenbezogene Waren in seinem Merchandisingapparat zulassen würde wurde überhört bzw. später angezweifelt.

Ein Blick nach Florida zum dortigen City Walk hätte diese Voreingenommenheit entkräftet, doch einer Einladung in die USA wurde von Seiten des Einzelhandelsverbandes nicht angenommen. Vielmehr regierte eine Angst, aufgrund derer mit den wildesten Argumenten versucht wurde, das Projekt "Einkaufsmeile" innerhalb des IEC-Areals totzureden. Bei Universal gehört jedoch die Einzelhandelsfläche zum IEC wie der eigentliche Themenpark - eine wichtige Einnahmequelle innerhalb eines jeden Vergnügungsparks. Vom "normalen" Einkaufszentrum ist das Vorhaben City Walk meilenweit entfernt.

Weitere Gegenargumente folgten: Statt eines möglichen Image-Zugewinns für die angeschlagene Krefelder City wurde das Projekt als billiger Rummelplatz dahingestellt. Vom Kaffeefahrttourismus war im Herbst 2001 die Rede, die mindere Qualität eines dürftigen Hollywood Abklatsches der Fun-Industrie wurde angeprangert, ohne überhaupt zu wissen, welche Qualitätsstandards der Filmmogul Universal mit seinen Themenanlagen setzt. Mit dem heutigen, von Kritikern herangezogenen Kirmescharme der Warner Bros. Movie World ist dieses Projekt meilenweit entfernt, das zeigten schon die ersten, noch von Landmark angefertigten Designskizzen, die einen hochwertigen In- und Outdoorpark präsentieren.

Eine verkehrte Welt! Hätte nicht über einen möglichen Imagegewinn für das weitgehend dahindümpelnde Krefeld gejubelt werden müssen? Das Universal-Areal würde schließlich nicht nur von der im 2-Stunden-Gürtel lebenden Bevölkerung - immerhin rund 27 Millionen Menschen - besucht werden. Der Flughafen Düsseldorf wäre gerade einmal zwanzig Autominuten entfernt und der Name Universal würde auch den Kurzurlauber anlocken. Universal würde mit diesem Resort ein attraktives Komplettangebot bieten, Krefeld wäre europaweit in aller Munde.

Panorama des "City Walk"

Heftiger wurde bisher über kein Projekt in diesem "Krefeld am Niederrhein" gestritten: Viele Parteien, die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein und der Hotel- und Gaststättenverband sprachen sich von Anfang an äußerst positiv zum geplanten "Großinvest" aus. Einzig und allein der Einzelhandelsverband prangerte mit seinem Katalog aus 42 Fragen das Projekt bis zum positiven Ratsbeschluss im März 2002 an, bei dem die zur Realisierung des Vorhabens nötige Planungssicherheit für die Investoren hergestellt werden sollte. Zwölf Monate sollten ins Land ziehen, zwölf Monate, in denen sich die wirtschaftliche Ausgangssituation zunehmend verschlechterte. Bis zum Jahresanfang 2004 steht eine pro oder contra Entscheidung seitens der Muttergesellschaft von Universal noch aus.

Im Gerangel um die verschiedenen Meinungen wurden im Zuge des Grundsatzbeschlusses von der größten Ratsfraktion, der CDU, zwölf Rahmenbedingungen erstellt, unter der die Zustimmung zum Großinvest von Seiten des Stadtrates erfolgte: Beispielsweise ist eine Bezuschussung infrastruktureller Maßnahmen von Seiten der Stadt nicht zu erwarten, der steuerrelevante Sitz muss dauerhaft in der Stadt Krefeld bleiben und auch im Namenszug soll die Stadt Krefeld Erwähnung finden. Diesem Grundsatzbeschluss wurde am 14. März zugestimmt, eine Projektgruppe von Seiten der Stadt Krefeld gebildet. Sie soll in Wahrnehmung städtischer Interessen die weiteren Planungen koordinieren.

Auch das frühere Gerangel um die 10.000 Quadratmeter Einkaufsflächen scheint beigelegt, ferner wurde die Zentren-Verträglichkeit sichergestellt. Vom raumplanerischen Standpunkt wurde nur die Vergnügungsmeile als Unsicherheitsfaktor für die Region angeprangert, doch selbst hier wurden Zugeständnisse von Seiten der Planungsgesellschaft getätigt. So beispielsweise in Bezug auf den Problembereich "Kino", welcher mit dem gerade einmal vier Kilometer entfernten Multiplex am Krefelder Hauptbahnhof kollidiert. Hier besteht die Lösung darin, sich in der Filmauswahl zu beschränken.

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Die Weichen von Seiten der Stadt waren gestellt, wenn auch mit entsprechenden Auflagen. Im Juli 2002 wurde über den nächsten Schritt zur Realisierung des IEC auf einer Sitzung des Regionalrates bei der Bezirksregierung Düsseldorf beraten. Mittels eines von Seiten der Entwicklungsgesellschaft neu erstellten Masterplanes, der nun eine zusätzliche Fläche von 14 Hektar berücksichtigte, wurde die Eröffnung des Änderungsverfahrens des bestehenden Gebietsentwicklungsplanes beschlossen. Somit konnte auf kommunaler Ebene mit Änderungen des Flächennutzungsplanes und der parallel laufenden Aufstellung des Bebauungsplanes begonnen werden.

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Planungsgesellschaft Tree Entertainment AG

Offizielle Webseite der "City Walks"

Offizielle Webseiten der Universal Themenparks

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Auch der neue Masterplan wurde vorgestellt. Zu tief ins Detail ging dieser nicht, vielmehr wurden die funktionalen Aspekte der Teilflächen geklärt. So nimmt der nun fast 45 Hektar große Themenpark die Hälfte des 86 Hektar großen Geländes ein. Flankiert wird es im Süden durch die Autobahn A44, im Norden durch den Industriebetrieb Thyssen Krupp Nirosta, und im Osten erhebt sich das im Eingangstext angesprochene Gewerbegebiet. Die 45 Hektar des Themenparks beeinhalten neben einer Wasserfläche auch den Service- und Versorgungsbereich - Eine Größe, die den bisherigen Universal Filmparks in den USA und Japan nahezu entspricht. Dem Themenpark vorgelagert ist der acht Hektar große City Walk. Über eine kleine Wasserfläche schließt sich der gut 13 Hektar große Recreation Bereich mit zwei Hotels, einem Wasserpark und Konferenzzentrum an. Die restlichen rund 20 Hektar dienen als Hauptverteilungsfläche den Verkehrswegen und den Parkhäusern, zudem ist eine unterirdische Bahnhaltestelle vorgesehen. Diese garantiert eine Anbindung an das Netz der Deutschen Bahn, die durch eine Straßenbahnhaltestelle ergänzt werden soll. Rosige Aussichten, denen nur noch das Votum des Mutterkonzerns von Universal einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Dieses blieb aber bis heute aus...

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Selbst der Geduldsfaden des größten Befürworters in Person des Wilfried Hampe scheint langsam zu reißen. Erst wollte die französische Vivendi Universal keine Entscheidung treffen, dann wechselte der Medienkonzern Universal im Finanzgerangel des französischen Mischversorgers Vivendi an das amerikanischen Pendant General Electric. Dessen Manager lassen sich wieder Zeit. Ein Ultimatum der deutschen Planungsgesellschaft ließ man Mitte Februar 2004 unkommentiert verstreichen. "Offenbar sind sie zur Zeit zu keiner Aussage fähig", so Hampe im Gespräch mit der Krefelder Tageszeitung Rheinischen Post. Bei General Electric wird scheinbar eher um die Zukunft der gesamten Themenparksparte von Universal diskutiert. Von Verkaufsabsichten sei die Rede gewesen. "Das wäre sehr unangenehm und täte uns nicht gut", so Wilfried Hampe. Das Projekt IEC scheint sich in einer Sackgasse totzulaufen. Vielleicht liegt es aber auch an der Frage der Finanzierung. Das Universal Projekt in der Boomtown Shanghai scheint gesichert, schließlich wurde die Finanzierung komplett von chinesischen Partnern übernommen. Lösungen, bei denen Universal beispielsweise nur noch als Lizenzgeber auftritt, scheinen naheliegend. Mit möglichen Investoren hatte die deutsche Planungsgesellschaft schon vor drei Jahren verhandelt. Doch erst einmal steht die Entscheidung aus den USA aus...

Diese ließ nun zu lange auf sich warten: Im Mai 2004 erklärte die Stadt Krefeld, dass sie den Bebauungsplan der vom IEC beanspruchten Flächen ändern wolle. Dort soll sich nun ein weiteres Industriegebiet ansiedeln und somit die vorhandenen Flächen in direkter Nachbarschaft erweitern - Aus der Traum vom ultimativen Themenpark!

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