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Doch zurück zu den Tatsachen, die beiden
Hauptattraktionen gilt es nun näher zu betrachten: Winja's Fear und
Winja's Force, die beiden Spinning Coaster des deutschen
Herstellers Maurer Söhne. Jener traditionsreiche Stahlbauer stieg
Mitte der 90er Jahre in das Amusement Business ein und konnte in den
Anfangsjahren mit seinen primär für die Kirmesplätze
entwickelten Achterbahnen punkten. Eine von ihnen ist der Spinning Coaster
2000, eine kompakte Anlage, die von einzelnen Gondeln mit frei drehbar
gelagerten Fahrgastträgern für je vier Personen befahren wird. Dieses
Grundkonzept wurde für die beiden Achterbahnen in Wuze Town
übernommen, nicht jedoch ohne dieses durch eine Fülle neuartiger
Besonderheiten aufzuwerten.
Der Xtended SC 3000, so die Typenbezeichnung für
die beiden Winjas, bietet einen äußerst interessanten
Streckenverlauf, der komplett neu entwickelt und ansprechend in die verwinkelte
"Stadt" integriert wurde.
Obwohl ein großer Teil des Schienenstrangs von den
Besuchern in Wuze Town einsehbar ist, wirken die schlanken Stahlschienen
mitsamt ihren massiven Stützen in der phantasievollen Architektur der
Wuzes nicht deplaziert. Schon im Eingangsbereich rauschen die drehbaren Wagen
über die Köpfe der Besucher hinweg, ohne dass der auf wenigen
Kragbalkenträgern ruhende Zick-Zack Kurs im Vordergrund steht. Trotz
hunderter Tonnen verbautem Stahl bleibt die eigenwillige Architektur der Wuzes
somit unangetastet.
Hinter der lichtdurchfluteten Rotunde folgt als Gegenpol der
im Dunkeln liegende Marktplatz, welcher mit seinem stoffbehangenden Himmelszelt
und den im roten Fackellicht illuminierten Wänden edel in Szene gesetzt
wurde. Ihn gilt es zu durchschreiten, um das Abenteuer der beiden Winjas
anzutreten. Wuchtige Skulpturen weisen den Weg und der Besucher wird
zielgerecht zum Eingangsportal der beiden Achterbahnen geleitet. Eine
Treppe führt zu den beiden Warteräumen. Im ersten wird man vor die
Wahl gestellt: Force oder Fear, Kraft oder Furcht. Dann teilt
sich dieWarteschlange und führt durch einen zweiten Anstehraum direkt in
die kleine Station der beiden Winjas. Jeweils vier Personen können nun
Rücken an Rücken sitzend in einer Chaise Platz nehmen. Die
einen fahren demnach erst einmal vorwärts, die anderen
rückwärts.
Ein Tor öffnet, der Wagen fährt einige Meter
voran. Wenige Sekunden später gibt ein weiteres Tor den Weg in die
absolute Dunkelheit frei. Somit ist sichergestellt, dass das "Schicksal" der
Insassen nicht vorhersehbar ist. Der Wagen stoppt, banges Warten, das Abenteuer
kann beginnen!
Wuze Town beherbergt zwei ungewöhnliche
Achterbahnen, die zwar viele Parallelen aufweisen, doch ebenso unterschiedliche
Fahrelemente und Überraschungen parat halten. Den Maus typischen Zick Zack
Kurs und jeweils eine langgezogene Helix um den Tittle Tattle
Tree bieten beide, auch der Auftakt und die Schlusssequenz ist identisch,
dazwischen weisen die beiden 410 beziehungsweise 465 Meter langen Bahnen jedoch
gänzlich verschiedene Elemente auf. Force oder Fear, schon
die Namensgebung lässt auf unterschiedliche Charakteristika
schließen.
Die Ouvertüre beider Bahnen besticht durch einen
Vertikalaufzug, der pro Spur jeweils eine Gondel aufnimmt und über
Stahlseile in Windeseile einen Höhenunterschied von 16 Metern
überwindet. Wie von Geisterhand bewegt sich der Aufzug mit maximal 4
Metern pro Sekunde zügig zur Startposition, gleichzeitig wird sogar das
Schienenstück mitsamt des Wagens in eine bedenkliche Schräglage von
30° gekippt. Die Musikuntermalung bringt die Spannung auf den Punkt, eine
Stimme ertönt und bereitet auf das nun folgende Abenteuer vor. Die Bremse
löst und es geht abwärts.
Mit einem maximalen Gefälle von 50° rasen die
Chaisen gen Boden, geblendet vom Blitzlichtgewitter der Fotoanlage
werden gut 60 Stundenkilometer in der Spitze erreicht, um direkt wieder einen
Hügel zu erklimmen. Dabei ist der um eine senkrechte Mittelachse drehbar
gelagerte Fahrgastträger fest arretiert und vermag sein Drehvermögen
noch nicht auszuspielen. Während Fear an der einen Außenmauer
von Wuze Town einen weiteren Drop bezwingt, erreicht Force
über ein Verbindungsstück zwischen dem Marktplatz und der Rotunde die
gegenüberliegende Hallenseite. Dort wird die Gondelbremse über einen
an der Schiene angebrachten Kulissenmechanismus gelöst und der stilvoll
verzierte Wagenaufbau rotiert je nach Gewichtsverteilung der Personen und den
durch die Streckenführung vorgegebenen Impulsen unterschiedlich schnell in
die eine oder andere Richtung. Keine Fahrt ist dabei wie die andere.
Winja's Force durchläuft hoch über den Köpfen
der Besucher einen Slalomparcours, dem sich direkt die eng platzierte
Mauskurven über dem Eingangsbereich anschließen. Auch der Wagen von
Winja's Fear hat diese erreicht, die Rotation wird ebenfalls freigegeben
und wie auf Kommando beginnt sich der Fahrgastträger bei Passieren des
ersten, über 180° gebogenen Kreisbogens relativ zum Fahrwerk zu
drehen. Um die dabei auf die Fahrgäste wirkenden Kräfte kontrollieren
zu können, wird die Drehzahl über eine an der Drehachse angreifende
Fliehkraftbremse mechanisch begrenzt - mehr als 20 Umdrehungen pro
Minute sind dadurch nicht möglich.
Es schließt sich nun bei beiden Bahnen 360°
Helix um den Tittle Tattle Tree an, welche die Wagen entlang der
Rotunde gleiten lässt. Dann verschwinden beide Streckenführungen
hinter Zwischenwänden und zeigen sich den auf den Boden gebliebenen
Besuchern nur noch sporadisch. Fear steuert hinter dem Marktplatz wieder
auf den First Drop zu, um nach einer von vielen Blockbremsen die
Abfahrt zum Immelmann-Turn zu nehmen, einen fast senkrecht gestellten
Kreisbogen, der auch bei den Kirmesanlagen von Maurer Söhne zu
finden ist.
Force entschwindet ebenfalls aus den Blickwinkeln der
Besucher und spielt gekonnt mit ihrem Namen: Drei Abfahrten nebst sich
anschließenden Auffahrten folgen, eine führt tiefer als die andere,
bis der Wagen immer noch mit frei rotierender Gondel an der Wäscherei
für alle sichtbar ein letzes Mal vorbeirast. Auch Fear taucht
für einen kurzen Augenblick auf, bis auch deren Streckenführung den
Wagen an ähnlicher Stelle wie bei Force in die Dunkelheit
verschwinden lässt.
Geschützt durch die Finsternis warten zwei
Besonderheiten auf die Chaisen, die als absolute Weltneuheiten
angekündigt wurden: Abrupt halten die Wagen an, um über eine
Wippbewegung entsprechend neu ausgerichtet den restlichen Streckenteil zu
bezwingen. Bei Fear erfolgt mit entsprechender Sounduntermalung eine
Wippbewegung nach vorne, während der um eine Drehachse gelagerte
Streckenabschnitt von Force zur Seite kippt - je nach Ausrichtung des
Fahrgastträgers ordentliche Hangtime inklusive.
Diese Gimmicks können gefallen, auch wenn der damit
verbundene Fahrspaß sicherlich nicht den notwendigen Steuerungsaufwand
gerecht wird, schließlich wird die Sicherheit groß geschrieben:
Während Fear auf die schräg gestellte Wippe fährt und
dort fast von selbst zum stehen kommt, wird die Chaise bei Force
kurz vorher abgebremst und fährt mit Schrittgeschwindigkeit auf das
seitliche Wippenelement. Nach Lösen der redundant gesicherten Bremsen
beider Bahnen folgt wieder ein kleinerer Sturz in die Tiefe, es reihen sich
noch einige Kurven in fast absoluter Dunkelheit an, dann folgt die
Schlussbremse. Der Fahrgastträger wird über eine Mechanik für
die Einfahrt in die Station entsprechend ausgerichtet, und nach fast 80
Sekunden Fahrzeit rollt der Wagen langsam Richtung Station.
Kurz vor Passieren des zum Stationsraum führenden Tores
noch eine Überraschung, dann heißt es aussteigen, und das On-Ride
Foto anschauen - nur aufpassen, dass dabei keiner die hinabführenden
Treppenstufen verfehlt. |