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El Toro - Der Stier fliegt

Eingangsbereich von El ToroDer Zug auf dem First Drop

Links: Der Eingangsbereich von El Toro verspricht ein feuriges Abenteuer - Rechts: Die mutigen Matadore auf dem First Drop

El Toro ist ein neuer Stern am Himmel der Holzachterbahnen - Die monströse Kreation aus 34.000 vorgefertigten Holzelementen mit High-Tech-Schiene, purer Geschwindigkeit und einer abwechslungsreichen Streckenführung wurde am 12. Juni 2006 auf die Parkbesucher im US-Bundesstaat New Jersey losgelassen.

Der Stier fliegt, und er erlebt dabei einen aggressiven Ritt über die 1350 Meter lange Strecke: Ob der 53 Meter hohe und gleichzeitig bis zu 76° steile erste Fall, spektakuläre Airtimehügel im Out&Back-Parcours, schockartige Begegnungen mit der Holzstruktur bei Höchstgeschwindigkeiten von über 110 Stundenkilometern oder ein intensives Kurvengefühl mit getwisteten Richtungswechseln der Extraklasse im Schlussdrittel. Die höchste und schnellste Holzachterbahn der Welt hat eröffnet.

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• Colossos - Der Vorreiter in Sachen High Tech Holzachterbahnen • Balder - Intamin Twister im schwedischen Liseberg• Kingda Ka - Vorbericht zur höchsten und schnellsten Achterbahn der Welt

Begonnen hat die Geschichte der neuen Achterbahngeneration in Deutschland: Im Jahre 2000 eröffnete im Heide Park mit Colossos eine Holzachterbahn mit dem besonderen Extra. Statt wie üblich die Bretter und Bohlen in Handwerksmanier auf der Baustelle zu einer mit großen Toleranzen in Bezug auf Neigungswinkel und Spurtreue behafteten Schiene zusammenzunageln, nutzte der Generalunternehmer Intamin das Know How von Werner Stengel, um die in Deutschland vorgefertigten Holzelemente und dreidimensional aus laminierten Holzpaketen gefrästen Schienenbinder zur höchsten Holzachterbahn Europas zusammenzusetzen. Im Jahre 2003 folgte mit Balder eine der kompaktesten Holzachterbahnen ihrer Klasse, welche mit ihrem getwisteten Layout das neuartige Schienendesign erst voll zur Geltung brachte. Der Zug rumpelt nicht wie bei klassisch hergestellten Holzachterbahnen über die Strecke, sondern gleitet mit stoischer Ruhe über das mit einer Genauigkeit von +/- 1mm nach 3D-Koordinaten gefräste Schienenbett.

Die beiden europäischen Produkte modernsten Achterbahnbaus überzeugten letztlich auch die Parkverantwortlichen in Amerika. Six Flags Great Adventure in New Jersey entschied sich nach dem Hydraulik-Beschleuniger Kingda Ka direkt für das nächste Produkt aus dem Hause Intamin. El Toro steht seitdem im Schatten des Königs der Achterbahnrekorde, vermag die höchste und schnellste Achterbahn der Welt aber in ihrer Fahrdynamik zweifellos zu übertreffen. Klassik trifft High Tech, und das in stilechter südamerikanischer Kulisse.

Panorama von Six Flags Great Adventures Achterbahnauswahl

Von links nach rechts sechs der 13 Achterbahnen in Six Flags Great Adventure: Great American Scream Machine, Kingda Ka, Rolling Thunder, El Toro, Mine Train und Medusa

El Toro ole

Das feurige Eingangsschild von El Toro
Der Stier als Skulptur Station und First Drop auf einem Blick
El Toros Out&Back Abschnitt in der Luftaufnahme Panorama des Out&Back Abschnittes

Die ersten Eindrücke von El Toro: Feurig, potent und bildgewaltig

El Toro im Schatten von Kingda KaWartebereich

Links: El Toro im Schatten von Kingda Ka - Rechts: Der Eingangsbereich

Dabei ist die neue Achterbahn überzeugend in das Parkgeschehen integriert. El Toro ist kein Parkplatzcoaster wie etwa der Arrow Looping Coaster Great American Scream Machine. Auch die Interaktion mit dem Parkpublikum geht, anders als es etwa beim Bolliger & Mabillard Speed Coaster Nitro der Fall ist, über die Stationsausfahrt hinaus. Seit Kingda Ka aus dem Jahre 2005 setzen die Planer wieder auf Themenbereiche fern der lärmenden Spielbuden- und Rummelplatzatmosphäre: Arrangements aus Blumen und Palmen zieren die Holzstruktur, Geschäften wurde ein südamerikanisches Flair verliehen und die angehenden Toreros dürfen unter Sonnensegeln direkt neben der zweiten Abfahrt ihres Schicksals harren.

Six Flags Great Adventures 13. Achterbahn konnte trotz ihrer Größe inmitten des Parks platziert werden. Der Stationsbereich, der wuchtige, über 55 Meter hohe Lifthügel und die erste Abfahrt fanden auf dem Gelände der früheren Stahlachterbahn Viper Platz. Nur das Stationsgebäude der erfolglosen Loopingbahn aus der japanischen Manufaktur Togo blieb erhalten - hier findet heute die Abfertigung der El Toro-Züge statt. Der schmale, fast 300 Meter langgezogene Out&Back-Teil mit seinen parabelförmigen Airtimehügeln und der obligatorischen Kehrtwende am Ende wurde zwischen einem See und der bislang einzigen Holzachterbahn des Parks, dem Racing Coaster Rolling Thunder, platziert.

El Toro Rendering

El Toro Rendering, welches die Streckenführung im Out&Back und Twister Parcours verdeutlicht - Rendering: Six Flags

Dessen Innenbereich wird sogar vom abschließenden Streckendrittel El Toros eingenommen. Statt weitläufiger Airtimehügel wurde dort ein äußerst kompaktes und kurvenreiches Finale platziert, welches in seiner Form bei modernen Holzachterbahnen einmalig ist. Über eine Stahlbrücke werden die Schienen des Rolling Thunders gekreuzt, dessen weiße Holzstruktur wie ein Schutzwall das letzte Stück der Streckführung von El Toro vor den Augen der Parkbesucher verbirgt. Nur lokal vermag der 36-sitzige Zug mit dem Bullen-Konterfei am ersten Wagen gesichtet zu werden. Folglich überrascht der spritzige Layout-Abschluss jeden Erstfahrer.

Am Fuße des ersten, rund 35 Meter hohen Airtimehügels befindet sich der Eingang zur Prüfung aller Toreros. Wenn hier die offenen, 6-gliedrigen Züge hinüberrauschen, lenkt der typische Intaminsound bei der Überfahrt der Kuppe die Blicke auf die nachfolgende Abfahrt, die direkt in die Fotoanlage führt. Entsprechend ausgefeilt sind die Grimassen und Posen einiger Mitfahrer, vornehmlich in der ersten Reihe. Das an der Front des ersten Wagens angebrachte plastische Stierkopfemblem lädt förmlich dazu ein, den "El Matador" heraushängen zu lassen. Lässig wird mit der einen Hand das Horn umfasst, in der anderen ein rotes Tuch geschwungen. Dass derartige Aktionen gegen die Benutzungsvorschriften verstoßen, stört die meist jugendlichen Akteure nicht. Von der Nachahmung sei deshalb strikt abgeraten.

Komfortabler Fahruntersatz sorgt für beste Ausgangslage

Zug auf dem Wartegleis Wartungsgleis
Kabellift Zug auf dem Kabellift
Panorama des First Drop und der Highspeed Kurve

Zug und Lift des wilden Stiers

Zug in der StationDie High Tech Schiene im Detail

Links: Die ergonomischen Züge bieten viel Freiraum - rechts: die Holzleimbinderschiene mit Verbindungsschuhen

In der auf etwa drei Metern Höhe platzierten Stationsplattform angekommen können die fahrenden Untersätze El Toros erstmals aus nächster Nähe betrachtet werden. Wie bei den beiden Vorgängerbahnen kommt ein Stahlchassis mit jeweils vier Lauf-, Seiten-, und Gegenrollen zum Einsatz. Eine Kupplung zwischen den Wagen sorgt für die nötigen Freiheitsgerade, denn die Räder sind bis auf eine Ausnahme fest am Chassis verankert. Nur die Seitenrollen können sich über eine gummigelagerte Schwinge einige Zentimeter bewegen.

Auffallender Unterschied zu der deutschen und schwedischen Ausführung sind jedoch die Sitzeinheiten und die Verschalung der Züge. Kommen bei Colossos und Balder eher plastikartige Abdeckungen zum Einsatz, will bei El Toro ein Holzimitat mit aufgenieteten "Stahl"-Profilen einen hochwertigeren Eindruck machen. Die eingebrachte Maserung kommt jedoch trotzdem nicht über ein besseren Plastiklook hinaus.

Der Sitz inklusive Höcker zwischen den Beinen ist in die Verschalung integriert. Eine rote Kunststoffschale mit Schaumpolsterung sorgt für ein ergonomisches Wohlgefühl - auch bei größeren Mitfahrern. Der Fußbereich ist ausreichend dimensioniert und selbst der neue Beckenbügel schmiegt sich problemlos an fast jede Körperfülle an. Statt eines "T-Bar Bügels" verwendet Intamin nun zwei Rundrohrprofile links und rechts der Beine der Passagiere. Das Freiheitsgefühl wird dadurch nicht eingeschränkt, doch wird ein Herausstrecken der Füße aus dem Zug effektiv verhindert. Die drei Sitzreihen pro Wagen bieten selbstverständlich aufsteigendes Stadium Seating, so dass die Sicht vom Vordermann nicht direkt gestört wird.

50 Sekunden pure (An)Spannung

53 Meter FallDer erste Wagen in der Steilabfahrt76° im freien FallKurz vor dem Fall

Der First Drop in vier Varianten - die bis zu 76° steile Abfahrt bietet erste Erfahrungen mit der Airtime

Die Fahrt beginnt mit einer 180° Kurve an die Rückseite der Anlage. Hier wartet ein Mitnehmerschlitten, der, für die Passagiere kaum merklich, den Zug übernimmt und mittels eines Stahlseils durch eine leistungsstarke Winde emporzieht. Gerade einmal 15 Sekunden benötigt das von Intamin erstmals bei einer Holzachterbahn eingesetzte Kabelliftsystem, dann hat der Zug die Ausgangshöhe von 57 Metern über dem Erdboden erreicht. Die hohe Liftgeschwindigkeit (rund 20 km/h) setzt sich in einer kurzen Panoramafahrt fort. Eine weite, leicht abfallende 180°-Linkskurve befördert den Zug zur Klippe des Holzberges, wo die Fahrt und 50 Sekunden pure Spannung Wirklichkeit werden.

Mit einer Ausgangsgeschwindigkeit von etwa 30 Stundenkilometern neigt sich der erste Wagen gen Abgrund. Einige Streckenmeter später schießt die Front des Zuges in einem Winkel von 76° in die Tiefe, beschleunigt vom eigenen Gewicht und der ungeheuren Schubkraft der fünf nachfolgenden Fahruntersätze.

Fakten zu El Toro

Die dritte vorfabrizierte Holzachterbahn aus der Zusammenarbeit von Intamin und dem Ingenieurbüro Stengel vereint die Stärken von Colossos (Out&Back Parcours) und Balder (Twister Parcours) zu einem einzigartigen Hochgenuss der Fahrdynamik.

Gesamthöhe

57 Meter

Schienenhöhe

53 Meter

Schienenlänge

1350 Meter

Max. Geschwindigkeit

113 km/h

Max. Längsneigung

76°

Beschleunigung

-1 g bis +4 g

Netto-Fahrzeit

60 Sekunden

Fahrzeuge

2 Züge mit 6 Wagen; 6 Plätze pro Wagen

Kapazität

1500 Personen pro Stunde

Hersteller

Intamin

Betreiber

Six Flags Great Adventure, Jackson, New Jersey, USA

Eröffnung

12. Juni 2006

• Link zur offiziellen Webseite von Six Flags Great Adventure

Jeder der 36 Sitzplätze wird förmlich über die Kuppe gepusht - Airtime inklusive. Je weiter hinten man sitzt, desto früher setzt das Gefühl der Schwerelosigkeit ein. Und noch mehr: Der abrupte Fall in die Tiefe wird durch eine starke, aber äußerst kurze Ejector Airtime begleitet, welche die Fahrgäste aus dem Sitz in die Sicherungskombination aus Bügel und Gurt befördert. So schnell dieser Punch eingeschlagen hat, so schnell wird er auch wieder abgelöst von herannahenden positiven G-Kräften, die jeden Fahrgast im Tal das vierfache seines Körpergewichtes wiegen lassen.

53 Höhenmeter vergehen wie im Fluge, denn eine Höchstgeschwindigkeit von 113 Stundenkilometern peitscht den über 15 Meter langen Zug voran. Der Fall findet schnell ein Ende und sorgt für einen weiteren Spannungsmoment. In der Talsohle kreuzt die Abfahrt die Kurve, welche 30 Sekunden später die Mitfahrer in den Twister-Teil im Rolling Thunder entführt. Instinktiv werden in Anbetracht des nahenden Headchoppers die herausgestreckten Hände eingezogen und der Blick auf das Wesentliche fokussiert: Die Wagen pressen sich auf der Strecke parallele zum Stationsgebäude mit ungeheurer Kraft gegen die herannahende Parabelfigur des zweiten, 35 Meter hohen Hügels. Schnell wird diese Kraftgewalt von einer diesmal unglaublich lang anhaltenden Ejector Airtime abgelöst.

Auf dem oberen Drittel des zweiten Hügels spürt keiner der Insassen mehr die Sitzschale. Eine fast konstante Beschleunigung von bis zu -1g katapultiert die Mitfahrer gen Himmel. Vier Sekunden hält diese Beschleunigungsphase an, einige Rollen des Zuges grummeln den typischen Intamin Woodie-Klang, dann befindet sich der Zug in der Abfahrt. Das Geheimnis der schier atemberaubenden Luftzeitphase liegt in der hohen Überfahrtgeschwindigkeit und der parabelförmigen Ausgestaltung des Hügels mit seinen bis zu 60° steilen Auf- und Abfahrten. Selbst die Kuppe wird noch mit fast 50 km/h überfahren, wobei die Zentrifugalbeschleunigung für eine wahre Airtime-Orgie sorgt.

Out&Back in Reinkultur

Einfahrt in den First Drop Blick in die Schluchten
First Drop vor der Holzwand des Lifts
Mit Tempo 110 abwärts Im weiten Kurvenbogen geht es abwärts
Sturz in die Tiefe
Zug in der Nahaufnahme Überfahrt des ersten Camelback
Abfahrt des ersten Hügels 35 Meter hohe Flugparabel
Der erste Camelback vor monumentaler Kulisse
Dritter Hügel Abwärts

Eindrücke vom First Drop und den Airtime Hügeln

Der dem First Drop folgende Hügel bietet wahsinnige Ejector Airtime und eine Fotoanlage

Bislang hat sich dem Zug nach dem First Drop noch keine Kurve in den Weg gestellt. Dies bleibt auch auf den nächsten 200 Streckenmetern der Fall. Typisch für ein Out&Back-Layout sind die großen Hügel, am Ende wartet die Kehrtwende auf Zug und Insassen. Im zweiten Tal blitzt es kurz auf, die Fotoanlage ist erreicht. Der Zug erntet anerkennende Blicke der Wartenden, dann wiederholt sich das Spiel der Kräfte auf dem nächsten, rund 30 Meter hohen Hügel.

Dessen Ausgang bietet jedoch eine gänzlich andere Erfahrung: Auf zwei Drittel der Fallhöhe verschluckt die tragende Fachwerkstruktur der Rückstrecke den gesamten Wagenverbund. Der Zug stürzt dabei in eine kleine, drei Meter hohe Öffnung, ohne dass selbst die Insassen in der ersten Reihe die Talsohle auch nur erahnen können. Derartige Momente gibt es auch bei anderen Holzachterbahnen, doch wo sich dort der Zug in einen dunklen Tunnel stürzt, spielt bei El Toro das Auge verrückt. Holzbalken und Tageslicht wechseln sich bei einer Geschwindigkeit von fast 100 km/h ab.

Dann wird die Kehrtwende eingeläutet, die zwischen zwei Hochpunkten eine lange, abwärts führende Rechtskurve mit über 225° und eine anschließende linksgerichtete Auffahrt verbindet. Die Hügelüberfahrten sind im Bereich der Kuppen flacher gehalten als bei den Vorgängern. Airtime ist auf dem ersten, knapp 25 Meter hohen lokalen Maximum zwar vorhanden, jedoch nicht so stark und lang anhaltend ausgeprägt. Dafür sorgt eine beträchtliche Kurvenneigung von bis zu 80° für Abwechslung, die bereits auf halber Höhe der Auffahrt eingeläutet wird. Am Scheitelpunkt des Hügels pressen sich die Wagen nahezu senkrecht in die Steilwand, deren Neigung auf der kurvigen, nach rechts fallenden Abfahrt langsam abnimmt. Im Tal wird dann der notwendige Krümmungswechsel vollzogen, so dass der Zug von der Rechts- in eine Linkskurve geführt wird, welche wieder einen Hügel erklimmt.

Links: Die Abfahrt des dritten Hügels stürzt in die Struktur der nachfolgenden Kehrtwende

Um so überraschender ist die nachfolgende Abfahrt. Wird die Querneigung bis zum Erreichen der Kuppe komplett abgebaut, so vollzieht der Zug anschließend eine geradlinige, steile Abfahrt, in welche die hinteren Wagen nahezu katapultartig hineinbeschleunigt werden.

Der Rückweg des Out&Back-Parcours führt vorbei an den beiden Airtimehügeln bis zum Fuße des First Drop, wobei die Strecke entlang der für die wartenden Besucher nicht einzusehenden Seeseite verläuft. Ein mit gerade einmal knapp zehn Metern Höhenunterschied ausgestatteter, extrem langezogener Camelback sorgt für das typische Floating Airtime-Gefühl, bei dem die Insassen allesamt leicht aus dem Sitz schweben und über einen längeren Zeitraum fast konstante 0g verspüren.

Zug in der Nahaufnahme

Von Hügelüberfahrten und der Kehrtwende

Dem erfahrenen Achterbahnfahrer vermag die Streckenführung bislang bekannt vorkommen, ähnelt sie doch sehr der ersten maschinell vorproduzierten Holzachterbahn Colossos im Heidepark. Trotzdem bietet El Toro im Detail extremere Ausprägungen und mit den Durchfahrten der Holzstruktur neue Erfahrungen, die der deutsche Vorgänger nicht bietet. Besonders die dritte Abfahrt direkt in die Holzstruktur sorgt für einige Zusatzspannung. Auch die Floating Airtime auf dem flachen Camelback wird durch zwei weitere Durchfahrten der Fachwerkstruktur intensiviert. Dabei schießt der Zug mit nahezu konstanter Geschwindigkeit von etwa 80km/h dem Ende des Out&Back -Parcours entgegen.

Bei High Speed Tunnelung Nummer vier fällt die Ausfahrt des flachen Camelbacks mit seiner Floating Airtime in ein enges Tunnelkonstrukt, das sich durch die tragende Struktur des ersten Hügels nach dem First Drop ergibt. Für die anschließende Auffahrt öffnet sich dieses Fachwerk nur zögerlich. Die Struktur des ersten Airtime-Hügels verdeckt die Sicht auf die Station, rechter Hand erhebt sich der Lifthügel in die Höhe. Dieser Tunnelblick beschränkt die Sicht auf das Kommende, nur die Mitfahrer in den vorderen Wagen erkennen vor sich eine ansteigende Querneigung.

Mit Schwung verlässt der Zug die Kehrtwende

Zuvor biegt sich die Holzleimbauschiene noch etwas nach oben und endet abrupt auf einem etwa zehn Meter hohen "Hochplateau". Dabei überrascht ein kurzer aber knackiger Augenblick der Schwerelosigkeit, der die urplötzlich eintretende High-Speed-Kurve erst wahrnehmen lässt, wenn sich die Wagen mit einem Banking von guten 70° in die Steilwand legen - wohlgemerkt liegt die Geschwindigkeit immer noch bei fast konstanten 80 Stundenkilometern, welche über dem Kurvenverlauf durch die Rollreibung und den Luftwiderstand des Zuges auch nur geringfügig abgebaut wird. Zudem bewegt sich die vertikale Beschleunigung auf der langgezogenen Linkskurve auf hohem Niveau. Die Kurve umspannt einen Kreisbogen von 150°, kreuzt das Tal nach dem First Drop und führt den Wagenverbund aus dem Out&Back-Bereich über die Schienen von Rolling Thunder hinein in den nicht einsehbaren Teil des El Toro-Layouts.

Auf ihren letzten Winkelgraden reckt sich die Kurve dann urplötzlich in die Höhe. Bis zum nächsten Scheitelpunkt in rund 20 Metern Höhe verliert sie vollends ihre Querneigung und auch ihre Anpresskraft. Am Gipfel des parabelförmig gestalteten Hügels wartet eine wahre Ejector Airtime auf allen Sitzplätzen, dann geht es nur noch in die Tiefe. Rund 20 Meter fällt die Strecke in einem leichten Linksbogen ab, bis sie parallel zur Station und dem Out&Back-Teil komplett hinter dem Schutzwall des Rolling Thunder verschwunden ist. Was dann passiert, ist mit Worten nur schwer zu beschreiben.

Gewaltig ohne blaue Flecken

Nach Airtime-Hügeln prägen im letzten Drittel El Toros die Kurven das Bild

Der Zug auf dem Rückweg in Richtung Station - im Vordergrund die Ausfahrt des dritten Hügels in die Holzstruktur hinein

Der getwistete Streckenteil vollzieht einen Kurvenwechsel nach dem anderen, und El Toro jagt seine Mitfahrer im wilden Slalom über den Parcours. Selbst die Mitfahrer, die eher die vorangegangene Airtime-Orgie lieben, schnalzen hier unisono mit der Zunge.

Auf engstem Raume wurde im Innenbereich von Rolling Thunder ein gerade einmal etwa 40 Meter breiter und 100 Meter langer getwisteter Abschnitt errichtet, der bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich von seinen dynamischen Richtungswechseln lebt.

Erst vollzieht der Holzparcours wenige Meter über dem Boden eine Aneinanderreihung von zwei um jeweils 90° gebogenen Steilkurven mit extremer Querneigung. Dabei schießt der Zug pfeilschnell gerade einmal 2-3 Meter über dem Erdboden durch das Kurvenlabyrinth. Auf- und Abfahrten finden sich auf den äußerst engen Kurvenpassagen keine, dafür werden intensive Beschleunigungen aufgefahren. Diese wirken jedoch nicht wie in einer Helix langhaltend störend , da jeweils zwei Krümmungswechsel (von einer Rechts- in die Links- und wieder zurück in die Rechtskurve) den Kraftakt unterbrechen. Der Zug legt sich quasi im Sekundentakt von der einen Seite auf die andere und vollzieht auf wenigen Metern Neigungswechsel von etwa 140°.

Links: Der flache Camelback mit nachfolgendem Sturz in der Holzstruktur führt in Richtung der High-Speed-Kurve (rechts)

Die zweite Rechtskurve begrenzt den Twisterteil räumlich und führt den Zug in einen 270°-Bogen, der nach Absolvierung der ersten 180 Winkelgrade an Höhe gewinnt. Hier verlässt der Zug die Bodennähe und schwingt sich auf den letzten 90° des Rechtsbogens gleichzeitig einen rund zehn Meter hohen Hügel empor.

Der nächste Richtungswechsel ist schon vorprogrammiert und findet direkt auf der Hügelkuppe statt. In Bester Intamin'scher Stahlachterbahnmanier leisten die Kupplungen Schwerstarbeit, wenn sich die Wagen gegeneinander verdrehen und den Hügel mit einer Linkskurve gen Boden verlassen. Der Fall währt aber nur vier bis fünf Höhenmeter, dann geht es wieder hinauf auf zehn Meter Höhe über dem Boden, um zum zweiten Male die Strecke des Twister zu kreuzen. Die Linkskurve wird durch eine weite Rechtskurve abgelöst, die einem leichten Wellenritt gleich an ihrem Ausgang den Zug abrupt emporhebt und den Fahrgästen ein letztes Mal Airtime beschert. Die nachfolgenden Magnetbremsen lechzen schon danach, die Restgeschwindigkeit nach dem heißen Ritt in Wärme zu verbraten.

Hinter der High-Speed-Kurve, die den Zug in den Twisterteil katapultierte, findet das Abenteuer El Toro nach gerade einmal 50 Sekunden ein Ende. Mit beinahe stoischer Laufruhe hat der Zug die dynamische Beschleunigungstortur überstanden. Ob Airtimehügel oder Dauer-Kurvenwechsel, die Fahrt überzeugt, überrascht und macht süchtig nach mehr.

El Toro - Der Star unter den Woodies

Links: Der unerwartete 20-Meter-Sturz in den Twister Teil - Rechts: Kurvenparcours im Infield des Out&Back-Woodies Rolling Thunder

El Toro benötigt gerade wegen seiner überzeugenden Machart keinen großen Werberummel à la "die höchste 'reine' Holzachterbahn der Welt"; El Toro wird einfach durch sein Fahrerlebnis zu einem der besten Woodies seiner Klasse. Die errungenen Rekordmarken bleiben dabei fast im Hintergrund: Six Flags Great Aventures Holzachterbahn war bei ihrer Eröffnung nach Son of Beast im amerikanischen Kings Island die zweithöchste Holzachterbahn der Welt. Mit der Schliessung der Problemachterbahn in Kings Island im Jahre 2009 besetzt El Toro die weltweiten Spitzenplätze der schnellsten und höchsten Holzachterbahn. Und nicht nur die nackten Zahlen sprechen für den Wooden Coaster nahe New Yorks. Die kühnen, ruhigen Fahreigenschaften stechen trotz hochdynamischer Beschleunigungswerte offensichtlich hervor.

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Trotzdem sind diese für den einen oder anderen Woodie-Fanatiker schon nicht mehr "gut genug" - ihnen fehlt das "shake, rattle & roll", was auf El Toros dynamischer Streckenführung jedoch fehl am Platze gewesen wäre. Die bis auf ein, zwei Stellen perfektionierten Schienenstöße sorgen mitsamt der vorfabrizierten Schiene für ein atemberaubendes Gleiten, das Layout bietet ein Repertoire an Airtime in allen Variationen und die intelligent gemachte Schienenführung sorgt mit ihren Headchopper-Effekten selbst auf dem weitläufigen Out&Back-Teil für gehörige Schrecksekunden. Auf in den Kampf, Torero!

Rendering: Six Flags Great Adventure, Bilder / Text: Coastersandmore - jp

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