|
|
Site-Info: Editorial > Coaster Basics > Rekordbrecher: Seite 1 |
|
|
| |
|
Die Höhenmarke ist der begehrteste Rekord in der Achterbahnwelt.
Dabei ist kein Rekord ist so schwierig zu definieren wie dieser: Was ist nun
die entscheidende Höhe, um in den "Woody-Olymp" aufgenommen zu werden? Die
Gesamthöhe der Holzstruktur, die Höhendifferenz des
Lifthügels oder die der höchsten Abfahrt?
Coastersandmore betrachtet zwei Höhenangaben getrennt voneinander:
Zum einen die Höhe der eigentlichen Holzstruktur - vom Fundament bis zur
maximalen Schienenhöhe - und zum anderen die Höhendifferenz der
höchsten Abfahrt. Schließlich kommt es nicht selten vor, dass eine
Abfahrt durch einen Tunnel führt oder im Falle des anderen Extrems das
Bodenniveau nur in zehn Metern Höhe streift. Vor allem die Betrachtung der
maximalen Höhendifferenz der Schiene liefert die wahre Höhe einer
Achterbahn, da sie für die Fahrdynamik am entscheidendsten ist.
Der Höhenrekord wird seit dem Beginn der über 100 Jahre
andauernden Ära der Holzachterbahnen angestrebt. Zu Beginn des 20.
Jahrhunderts galten Holzfachwerke von 15 bis 20 Meter Höhe als das
absolute technisch reaslisierbare Maximum. Während moderne
Stahlachterbahnen auf schlanken, manchmal als V- oder A-Bock ausgeführten
Rundrohrstützen ruhen, benötigt die Holzachterbahn ein weitaus
aufwendigeres Fachwerkkonstrukt aus mitunter zehntausenden Holzbalken, welche
üblicherweise vor Ort, am Bauplatz in den Parks von Zimmerleuten
abgelängt, mit Nägeln und Schrauben zu Rahmenstrukturen
zusammengebaut und schließlich in der Vertikalen positioniert werden.
Dem Wagnis der Betreiber zu immer neuen Superlativen folgend wurde schon
im Jahre 1917 die gerade noch als gegenüber Windböen sicher geltende
Höhe von 20 Metern deutlich überschritten: Der amerikanische
Hersteller Miller & Baker errichtete im Paragon Park, Hull,
USA ein Konstrukt mit dem bezeichnenden Namen The Giant. Dieses
besaß einen 30 Meter hohen Lifthügel mit nachfolgender 27 Meter
hoher Abfahrt. Heute ist der einst bewunderte Rekordhalter im Six Flags
America, Maryland als Wild One zu finden.
  |
|
Links: Der 65 Meter hohe First Drop des Son of Beast
ist der höchste weltweit - rechts: Der Vertikallooping im letzten Drittel
der Anlage wurde 2007 entfernt |
Je höher die Holzstruktur, desto breiter facht diese aus, um vor
allem gegen die Windlasten im Sturm bestehen zu könnnen. Das Holzfachwerk
ist unterteilt in eine Primär- und Sekundärstruktur. Die
Primärstruktur liegt quer zur Fahrtrichtung und besteht aus mindestens
zwei senkrechten, etwa zwei bis drei Meter voneinander entfernten vertikalen
Holzbalken, den sogenannten Column Legs. Diese sind untereinander durch
horizontale und diagonale Balken in einer Fachwerkebene ausgesteift. Die so
gebildete Primärstruktur bezeichnen die Ingenieure als Bents,
welche typischerweise vor Ort auf der Baustelle am Boden zusammengesetzt und
mittels Seilzügen und Kränen in die vertikale Position gebracht
werden. Je höher die Bents bauen, desto mehr Column Legs werden
üblicherweise pro Bent nebeneinander eingesetzt. Dabei erstrecken sich
nicht alle Column Legs über die volle Höhe. Vielmehr werden sie nach
Außen hin normalerweise immer niedriger, die so gebildete Struktur wird
also von unten nach oben quer zur Fahrbahn betrachtet immer schmaler. Bei hohen
Hügeln und vor allem bei Kurvenfahrten werden statt mehrreihiger Bents
auch sogenannte Batters, seitlich herausstehende Diagonalen, an den
Bentrahmen angebracht, um die hohen Querkräfte der Kurvenfahrten
abzufangen. Untereinander werden die Bents durch die Sekundärstruktur
verbunden, welche in Fahrtrichtung an die Struktur angebracht wird. Die
Sekundärstruktur besteht wiederum aus Horizontalen und Diagonalen und
versteift die Bents zu einem dreidimensionalen Fachwerk.
Mit dieser simplen Technik lassen sich opulente und ästhetisch sehr
ansprechende Megabauten errichten. Der heutige Höhenrekordhalter unter den
Holzachterbahnen, Son of Beast im King's Island, Ohio, USA,
besitzt eine Höhe von stolzen 66 Metern. Die Achterbahn aus dem Jahr 2000
verschlang eine Investitionssumme von 20 Millionen US-Dollar. Bis heute wurde
das Millennium-Werk in klassischer amerikanischer Woody-Bauweise in seiner
Höhe nicht übertroffen - wohl zu recht, denn die Fahreigenschaften
auf der 125 Stundenkilometer schnellen Anlage sind extrem ruppig und selbst
für Liebhaber des "shake, rattle und roll" eine Nummer zu heftig. Die
starken Vibrationen und Beschleunigungsspitzen haben in den letzten Jahren
nicht nur den Fahrgästen, sondern auch der Holzstruktur zugesetzt. Diese
wurde in der Folge schon mehrfach überarbeitet. King's Island stand
jahrelang im Rechtsstreit mit dem Hersteller RCCA, der Roller Coaster
Corporation of America aus Atlanta, und anderen Subunternehmen. Der Streit
fokussierte sich auf Konstruktions- und Aufbaufehler, die zu millionenschweren
Nacharbeiten seitens des Parkbetreibers geführt haben.
Ein Vorfall mit Personenschaden im Jahr 2006 führte zur
vorläufigen Schließung der Anlage. In einer der zahlreichen
Hochgeschwindigkeitskurven kollabierte ein Column Leg und führte zum
Schaden an zwei weiteren Bents, so dass die gesamte Fahrschiene in einem
lokalen Bereich um rund einen Meter absackte. Son of Beast blieb bis
Mitte 2007 geschlossen. Unter dem neuen Betreiber Cedar Fair, welcher
Paramount's King's Island kurz vor dem Unfall erwarb, wurde die Anlage
überarbeitet und mit neuen, leichteren Zügen der deutschen Firma
Gerstlauer wiedereröffnet. Kurioserweise wurde dabei auch der 30
Meter hohe Vertikallooping, ein Unikat unter den Holzachterbahnen,
entfernt. Dessen Berechnung - wie die gesamte Statik und Dynamik der Bahn -
stammt vom Ingenieurbüro Stengel aus München. Statt Holz kam
beim Looping eine herkömmliche Stahlstruktur zum Einsatz, auf der die
laminierte Holzschiene befestigt wurde. Die Entfernung des Vertikallooping
ermöglichte den Einsatz leichterer Züge, womit die kurvenreiche
Struktur wiederum geringer belastet wird und der Instandhaltungsaufwand
reduziert werden konnte. |
|
 |
|
|
|
Die imposante Holzstruktur von Son
of Beast erhebt sich nahezu majestätisch über die grüne Umgebung
des Kings Island |
| |
|
|
Letzterer kann bei derartigen Holzgiganten schnell ausufern und zu einer
Kostenkette führen, die selbst große Parkbetreiber nicht mehr zu
kontrollieren vermögen. Alleine die klassisch aus mehreren länglichen
Holzelementen geschichtete, laminierte Schiene ist üblicherweise innerhalb
der ersten fünf bis zehn Betriebsjahre vor allem in den
Hochgeschwindigkeitsabschnitten komplett zu wechseln. Die Struktur, welche sich
durch die Witterungseinflüsse mit wechselnder Luftfeuchtigkeit
ständig dehnt und zusammenzieht, ist zudem intensiv auf schadhafte
Querrisse zu prüfen.
  |
|
Der legendäre Racer in Kings Island beeindruckt
noch heute durch seine symmetrische Formschönheit |
Bauwerke wie Son of Beast bestehen aus über 100.000
Holzelementen. Die Wahrscheinlichkeit von Schäden einzelner Balken ist bei
dieser Summe an Einzelelementen nicht zu unterschätzen. Zwar kann eine
Fachwerkstruktur durch ihren "vernetzten" Aufbau bei Schädigung eines
vereinzelten Elements die auftretenden Kräfte durchaus anderweitig
ableiten - üblicherweise werden die Bents schon bei der Auslegung nie zu
einhundert Prozent statisch ausgenutzt -, doch bedarf eine
Holzachterbahnstruktur eines gewissenhaften Wartungsbetriebes, der etwa dem
zehnfachen Aufwand einer Stahlachterbahnstruktur entspricht. Der
Wartungsaufwand ist derart hoch, dass ein Betreiber einer klassischen
Holzachterbahn nach spätestens zehn Jahren das Initialinvestment für
Wartungs- und Reparaturarbeiten nochmals abschreiben darf.
Bevor Son of Beast verwirklicht wurde, tobte in den USA ein
regelrechter Wettkampf um die höchste Holzachterbahn, welcher in den
1990er Jahren seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Der Run auf den
Rekord nahm im Jahre 1972 seinen Anfang. Damals sorgte der neue Freizeitpark
King's Island mit einer der ersten Holzachterbahnen nach der
größten Konjunkturkrise in der Amusementparkbranche für
Medienaufmerksamkeit. Seit den 30er Jahren fristeten die Achterbahnen in den
USA ein Schattendasein. Die Weltwirtschaftskrise um 1930 löste ein Pier-
und Parksterben aus, dem hunderte der fest installierten Holzachterbahnen zum
Opfer fielen. Die Berichterstattung um den Racer fiel in den neuen
amerikanischen Wirtschaftsboom, wobei die Presse das filigrane Holzkonstrukt
als siebtes Weltwunder feierte, denn sie war für eine Holzachterbahn
einfach nur ungewöhnlich: Beim Racer verlaufen zwei Schienenspuren
parallel nebeneinander, so dass sich die beiden Züge ein Wettrennen
liefern können. Die klare und symmetrische Formgebung verleiht der
strahlend weißen Achterbahn eine besondere ästhetische Eleganz. Die
Out&Back Konstruktion des damals einzigen Herstellers von
Holzachterbahnen, der Philadelphia Toboggan Company, bietet zwei
Lifthügel mit 28 Metern Höhe.
Die Six Flags Gruppe, ein weiterer Betreiber von Freizeitparks,
wollte am Erfolg von King's Island teilhaben und zog ein Jahr
später mit ihrer Great American Scream Machine im Six Flags over
Georgia nach. Planung und Errichtung erfolgten unter enormem Zeitdruck,
schließlich wollte man der Konkurrenz aus Ohio in Nichts nachstehen. Das
zweite wichtige Kriterium war der Höhenrekord. Letzterer wurde mit der 32
Meter hohen Holzstruktur in die Südstaaten geholt. Weil es neben der
Philadelphia Toboggan Company, welche heute vornehmlich Züge
ausliefert, keinen weiteren Anbieter für derartige Holzbauwerke in den USA
gab, wandte sich der hauseigene Six Flags Konstrukteur Don Rosser
an die Marvin M. Black Company, welche seit 1967 Gebäude,
Verkaufsstände und Überdachungen an Six Flags over Georgia
lieferte. Zusammen mit den Designveteranen John C. Allen, welcher das
Design für den Racer in King's Island verantwortet hatte,
und dem Konstrukteur William Cobb wurde das Projekt im September 1972
gestartet, um keine sieben Monate später die erste Publikumsfahrt
zelebrieren zu können. Damit das Bauvorhaben rechtzeitig fertiggestellt
werden konnte, wurden die Bents der Primärstruktur weitestgehend bei
MMB vorgefertigt und direkt auf der Baustelle aufgerichtet. Die Anlage
bietet im Grundriss ein weitläufiges, L-förmiges Layout und schmiegt
sich majestätisch-elegant an einen See.
 |
|
Die Great American Scream Machine im Spiegel der
Abendsonne |
Trotz des durchschlagenden Erfolgs der Great American Scream
Machine konnte MMB erst 1978 eine weitere Holzachterbahn ausliefern.
Ein Jahr später wurde die eigene Unternehmensabteilung Roller Coaster
Corporation of America gegründet, welche sich um den Bau und die
Instandhaltung von Holzachterbahnen kümmerte. Es dauerte schließlich
ganze zwölf Jahre, bis RCCA ein neues Highlight unter den
Holzachterbahnen verantworten konnte.
 |
|
American Eagle im Racing Coaster Look |
Während dieser Dekade wuchs die Rekordmarke von ursprünglich
32 Metern Höhe stetig: 1976 eröffnete Six Flags St. Louis den
Screamin' Eagle, eine 33,5 Meter hohe Holzachterbahn unter Verantwortung
des Dreigespanns Don Rooser, John C. Allen und William
Cobb. Zwei Jahre später wurde diese Messlatte durch den 38 Meter hohen
Racing Coaster Colossus im kalifornischen Magic Mountain,
heute unter Six Flags firmierend, höher gelegt. Dabei wurde
erstmals in der Geschichte der Holzachterbahnen die magische Höhenmarke
von 100 Fuß überschritten. Hersteller der insgesamt 1640 Meter
langen Holzachterbahn war die Firma International Amusement Devices,
welche nur ein kurzes Intermezzo als Lieferant von Woodies ablieferte. Bis
heute wurde der wartungsintensive "Holzwurm" im heißen Trichter von
Valencia, 45 Kilometer nördlich von Los Angeles, mehrfach in der
Streckenführung geändert. Schon nach der ersten Saison wurde die
ruppige Anlage komplett überarbeitet und dabei deutlich entschärft.
Den hohen Belastungen zollten auch die Züge ihren Tribut.
Die Six Flags Gruppe unter Don Rooser zeigte sich vom
neuen Konkurrenten in Kalifornien unbeeindruckt und legte 1981 mit dem Racing
Coaster American Eagle nach. Die Konstruktion in Six Flags Great
America wurde von der damals kleinen Schweizer Firma Intamin in
Zusammenarbeit mit den Designern Curtis D. Summers, James Figley
und Leonard Wright verantwortet. Der gigantische American Eagle
galt mit einer Strukturhöhe von 39 Metern nicht nur als
Höhenrekordhalter unter den Holzachterbahnen, sondern konnte auch den
Titel der weltweit höchsten Achterbahn sieben Jahre lang für sich
beanspruchen. Ein Designclou katapultierte die Bahn ihn bislang unerreichte
Höhen: Die erste Abfahrt führt durch einen sechs Meter tiefen Tunnel,
wodurch der First Drop eine Höhendifferenz von 45 Metern erreicht.
Zusätzlich zum Höhenrekord erreichte die wuchtige Konstruktion zwei
weitere Meilensteine: 106 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit reichten
sieben Jahre lang zum Titel der schnellsten Achterbahn der Welt, und ein
Gefälle von 55° brachten den Titel der steilsten Holzachterbahn
für die nächsten elf Jahre.
Die Mammut-Bahn hatte die amerikanischen Mitbewerber das Fürchten
gelehrt. Erst acht Jahre später wurde der Höhenrekord wieder in
Angriff genommen. Dabei bediente sich der Designer Curtis D. Summers
eines ähnlichen Kniffs wie schon beim American Eagle. Zusammen mit
Charles Dinn wurde Hercules 1989 im Dorney Park &
Wildwater Kingdom, Allentown, USA errichtet. Die Achterbahn besaß
zwar nur eine 29 Meter hohe Holzstruktur, durch die Ausnutzung des abfallenden
Geländes erreichte das Bauwerk jedoch eine maximale Abfahrthöhe von
46 Metern. Der auf Höhenrekord getrimmte Hercules toppte seinen
Vorgänger um gerade einmal einen Meter. Das Layout nebst seiner
Ausführung hatte verschiedene Designschwächen und äußerst
unbefriedigende Fahreigenschaften, wodurch die Akzeptanz bei den
Parkgästen von Jahr zu Jahr rapide abnahm. Nach 14 Betriebsjahren wurde
die Holzachterbahn dem Erdboden gleichgemacht und an ihrer Stelle der
B&M Floorless Coaster Hydra errichtet.
Der um Biegen und Brechen auf Erfolg ausgelegte Hercules
verschwand bereits schon nach zwei Jahren im Kampf zweier anderer
konkurrierender Parks von der Spitzenposition. Cedar Point, das "Mekka"
der Achterbahnen am Eriesee im Nordosten der USA, wollte 1991 den Woodie-Rekord
und wurde selbst ein Jahr später durch die kühnen Pläne des
Versicherungsunternehmens USA Insurance Company überboten - die
Geschichte der abenteuerlichen Rekordjagd sucht bis heute ihresgleichen: 1989
wurde die fast schon in Vergessenheite geratene RCCA von Keith
Sanders, Besitzer des ehemaligen Opryland in Nashville, aufgesucht.
Er plante in Zusammenarbeit mit dem Versicherungsunternehmen USA
Insurance den Bau des Freizeitparks Fiesta Texas. Eine gigantische
Rekord-Holzachterbahn sollte das Aushängeschild des neuen
Vergnügungsparks werden. Hinter verschlossenen Türen wurde eine
Höhe von knapp unter 50 Metern anvisiert, um die Medienberichterstattung
im Land der Superlative für sich beanspruchen zu können. Als man 1991
mit dem Bau der Anlage beginnen wollte, enthüllte jedoch Cedar
Point die technischen Daten seiner neuen Holzachterbahn. Mean Streak
sollte mit 49 Metern Höhe und einer ersten Abfahrt von 47 Metern der neue
amerikanische Rekordwoody werden. Die Pläne gingen auf, doch hielten sie
nur eine Saison.
Die Geldgeber von Fiesta Texas bestanden um jeden Preis auf eine
Eröhung des Lifthügels. Die Finanzjongleure erlangten den Sieg gegen
jede Vernunft. Die recht kurzfristig forcierten Änderungen im Bahnlayout
ergaben stellenweise überaus hohe Beschleunigungswerte, doch mit einer
Aufzughöhe von 55 Metern schlug der neue Star unter den Woodies mit dem
bezeichnenden Namen Rattler den Konkurrenten vom Eriesee. Die Ausnutzung
des Geländes inklusive einer 20 Meter hohen Klippe hielten sogar die
Investitionskosten in Grenzen und sorgten für eine stilvoll inszenierte
Anlage. In der Eröffnungssaison besaß der kompakte Twister
Rattler eine Abfahrt von 51 Metern Höhe und erlangte gleichzeitig
den Titel der schnellsten (117,5 Stundenkilometer) und steilsten (61°)
Holzachterbahn der Welt.
Das vorschnelle Superlativdenken zollte jedoch seinen Tribut: Fahrten
auf dem Rattler zogen eine hohes Verletzungsrisiko mit sich, die 1548
Meter lange Bahn galt sogar bis zum Passieren einer Blockbremse
schlichtweg als unfahrbar. Das Bauwerk vom Designer John F. Pierce,
einem langjährigen Mitarbeiter von William Cobb, ist vielleicht
gerade wegen der vorschnellen Höhenzugabe zu einer besonders heiklen
Angelegenheit geworden. Das musste auch der Betreiber eingestehen und baute die
erste Abfahrt in den Winterpausen zwischen den ersten vier Betriebsjahren
schrittweise zurück. Statt den Lifthügel zu modifizieren, wurde das
der ersten Abfahrt folgende Tal jedes Jahr höher gesetzt. Heute ist der
Höhenunterschied 13 Meter geringer. Die extremen vertikalen
Beschleunigungen im Tal und den Kurvenpassagen nach dem First Drop konnten
somit auch ohne den Einsatz von Reduzierbremsen auf der ersten Abfahrt
erträglicher gestaltet werden. Statt 51 Meter fällt der Zug nun "nur"
noch 38 Meter in die Tiefe und liegt damit sogar unter dem "benachbarten"
Wooden Twister Texas Giant im Six Flags over Texas aus dem
Jahre 1990. Weniger ist manchmal halt doch irgendwie mehr.
  |
|
Colossos im Heide Park Soltau war die konsequenteste
Weiterentwicklung der Mega Woodies |
Dem Höhepunkt durch Rattler und Mean Streak folgte im
Jahr 2000 der schon eingangs thematisierte Son of Beast, der wie sein
Vorgänger Rattler eher Kopfschmerzen als Fahrfreude bereitet. Die
bei einem Höhenunterschied von 65 Metern erreichten
Spitzengeschwindigkeiten von 125 Stundenkilometern sind bei einer klassisch
zusammengezimmerten Holzachterbahn mitsamt ihren rudimentären Zügen
zu viel des Guten.
Mit dem Rückblick auf diese Erfahrungen erscheint die im neuen
Millennium vorgestellte Holzachterbahngeneration von Intamin als
logischer Schritt: Colossos im Heide Park war der erste
sogenannte Plug&Play-Woody. Es folgten bis zum Jahre 2008
Balder, El Toro und T Express. Alle vier Bahnen erreichen
Superlative und bieten eine Gemeinsamkeit: Die modernen federgelagerten
Züge fahren auf einer komplett neuartigen Holzschiene. Obwohl die
Züge 100 Stundenkilometer und mehr erreichen und Fahrwerke sowie das
Schienensysten mit Vertikalbeschleunigungen von bis zu 5g weit höher
belastet werden als auf anderen Holzachterbahnen, wird ein Fahrgefühl wie
auf einem Luftpolster geboten. Das typische Rütteln des Zuges fehlt fast
völlig. Wäre da nicht die Holzstruktur, würde man sich auf einer
Stahlachterbahn vermuten. Kritiker prangern gerade diese Eigenschaft an, die
ihrer Meinung nach eine Holzachterbahn erst ausmacht. Um Bahnen fern der 100
km/h fahrbar zu gestalten, ist diese Entwicklung jedoch ein notwendiger Schritt
gewesen.
Der Clou der neuen Generation von Holzachterbahnen liegt im
einhundertprozentigen Vorfertigungsgrad der gesamten Struktur. Das
Intamin-Design liefert ähnlich einem Ikea-Bausatz alle
Hölzer komplett vorgeschnitten auf die Baustelle. Säge und
Zimmereihandwerk sind für den Aufbau nicht mehr von Nöten. Der
extreme Vorfertigungsgrad inklusive dem ausschließlichen Einsatz von
Schrauben erlaubt einen stark beschleunigten Aufbau - ein zusätzliches
Ablängen, Fräsen und Bohren ist nicht erforderlich. Die Vorfertigung
aller Holzteile garantiert zusätzlich eine weitaus höhere Lebensdauer
der gesamten Baustruktur. Da der gesamte Zuschnitt vor der Imprägnierung
stattfinden kann, bestehen keine ungeschützten Angriffsstellen für
einen Pilzbefall durch Feuchtigkeit oder Insekten. Der Wartungsaufwand des
Gesamtsystems wird drastisch reduziert. |
|
 |
|
|
|
T Express im südkoreanischen
Samsung Everland ist Intamins vierter Plug&Play Woodie - durch die
Ausnutzung des hügeligen Parkgeländes besitzt die Anlage eine
Lifthügel-Gesamthöhe von 56 Metern und ist somit die
dritthöchste Holzachterbahn der Welt |
| |
|
|
Vor allem einer - Werner Stengel - wollte der Fachwelt nach dem
Desaster mit Son of Beast beweisen, dass Holzachterbahnen dieser
Größenordnung auch mit exzellenten Fahreigenschaften aufwarten
können. Weitreichende Innovationen mussten dafür getätigt
werden: Das Engineering setzte seine Schwerpunkte auf die Verbindung von
Fahrwerk und Schiene. Üblicherweise wird die Holzschiene auf der Baustelle
aus einzelnen Holzlagen laminiert und in Form gezwängt, wobei viel
handwerkliches Geschick gefragt ist. Notwendige Anpassungen werden direkt auf
der Trägerstruktur vorgenommen. Selbst die auf dem Schienenbett
angebrachten Stahlbänder, auf denen die Räder später abrollen,
werden vor Ort gebogen. Das Layout wird zwar prinzipiell vorher festgelegt,
für die tatsächliche Umsetzung nutzt jeder Hersteller vor Ort die
Erfahrung und die kleinen Tricks seiner Mitarbeiter.
Entsprechend schlecht sind die erreichbaren Toleranzen. Die Räder
haben großes Spiel, die Wagen rumpeln im weiten Schienenbett besonders in
den Kurven hin und her, der Fahrkomfort leidet. Bei geringen Geschwindigkeiten
zeichnet dieser Effekt gerade den Reiz klassischer Holzachterbahnen aus und
wegen dieser Natürlichkeit sind die Bauten vor allem in den USA
äußerst beliebt. Im Hochgeschwindigkeitsbereich von 100
Stundenkilometern und mehr kann eine nicht passgenaue Schiene jedoch zur Qual
für Mensch und Material werden, da extreme Spitzen bei den
Querbeschleunigungen entstehen, wenn der Zug umhergerissen wird oder an der
Schiene entlangschrammt.
Für Colossos im Heide Park entwickelte das
Ingenieurbüro Stengel für seinen Auftraggeber Intamin
eine Fertigungsmethode, welche eine hochpräzise Schiene garantiert.
Darüber hinaus wurden Berechnungsprinzipien aus dem Stahlachterbahnbau
übernommen. Das Stengel'sche Herzlinienprinzip, welches die
unangenehmen Lateralbeschleunigungen auf ein Minimum reduziert,
wurde mit der Abbildung des Schienenstranges als Raumkurve
kombiniert.
Das Besondere hinter der neuen, von Intamin lizensierten Schiene
steckt in ihrer Vorproduktion im Werk. Die einzelnen Schienensegmente werden
anschließend auf der Baustelle zusammengesetzt. Stahlschuhe zu beiden
Enden garantieren eine effiziente und einfache Verbindung mittels
stählernen Bolzen. Die Schiene besteht aus hochfestem,
kesseldruckimprägnierten Kerto-Furnierschichtholz, einem Spezialholz der
europäischen Finforest Gruppe. Nach dem Laminieren und Vorbiegen
erfolgt je nach geforderter Geometrie eine CNC-gesteuerte, dreidimensionale
Präzisionsfräsung der laminierten, in der Schienenform grob
vorgebogenen Holzpakete. Diese hochgenaue Fertigung ermöglicht neben ihren
geringen Fertigungstoleranzen und stetigen Übergängen zwischen
Abfahrten und Kurvenelementen eine optimale Abbildung der vom
Ingenieurbüro Stengel nach dem Raumkurvenprinzip berechneten
Schienenstränge. Auch der Stahlbelag, die Kontaktfläche für die
Lauf-, Gegen- und Seitenräder,
wird im Werk vormontiert.
  |
|
T Express in Südkorea ist ein gigantisches
Monumentalbauwerk aus Schweizer Produktion |
Die Schiene trägt am späteren Fahrkomfort den
größten Teil, das Rollmaterial wollte jedoch ebenfalls optimiert
werden. Die neue Generation der Intamin Züge wurde mit besonderen
Augenmerk auf das Fahrwerk entwickelt: Optimal für die hohen
Geschwindigkeiten ausgelegt, verfügt es über mit Vulkollan
beschichtete Lauf- und Seitenräder. Die harte aber elastische
Kunststoffschicht ist bei Stahlachterbahnen Standard, findet bei
Holzachterbahnen normalerweise aber keine Anwendung. Auf den klassischen Bahnen
läuft Stahl auf Stahl. Nur bei den Gegenrädern der
Colossos Züge wurde auf die Kunststoffbeschichtung verzichtet. Die
Anbringung der Lauf- und Seitenräder weisen eine weitere
Besonderheit auf: Sie sind an Schwingen gelagert, die über einen harten
Gummipuffer gedämpft werden, so dass etwaige Stöße gemindert
werden und in der Querachse eine "steife" Verbindung zwischen Zug und Schiene
realisiert wird. Im Vergleich zu den sonst äußerst primitiven
Fahrwerken der Holzachterbahnen ein kleiner Quantensprung.
Im Ergebnis erlangte Colossos für den Heide Park in
Soltau trotz einer Abfahrtshöhe von 48,5 Metern mit damit verbundenen
Beschleunigungen von über 4g bislang unbekannte Fahrqualitäten. Bis
heute ist Colossos mit einer Strukturhöhe von 52 Metern der
europäische Höhenrekordhalter.
Vom Erfolg in Deutschland überzeugt gönnte sich auch Six
Flags einen neuen Woody-Superlativ: Six Flags Great Adventure
löste im Jahr zwei nach KingdaKa, der höchsten und schnellsten
Achterbahn der Welt, das Ticket zu einer exquisieten Plug&Play Powerbahn
aus dem Hause Intamin. El Toro belegt seit dem Jahr 2006 Platz
zwei hinter Son of Beast als welthöchste Achterbahn und bleibt
dabei sogar wiederholt fahrbar. Kopfschmerztabletten sind nach keiner Fahrt auf
der 57 Meter hohen Anlage von Nöten.
Und der Run in die Top Ten der Holzachterbahn-Höhenrekorde findet
auch 2008 kein Ende: Samsung Everland eröffnete mit T
Express die erste Holzachterbahn des Kontinentalasiens und zog gleich in
die Bestenliste der Woodies ein. Der moderne Intamin Coaster bietet mit
77° Gefälle die steilste Abfahrt der Welt und setzt sich in Sachen
Höhe auf den dritten Platz: Zwar bietet die Bahn nur einen First Drop mit
einem Höhenunterschied von 45 Metern, durch die Ausnutzung des
ansteigenden Geländes bietet der Lifthügel von der Station aus
gemessen jedoch eine Höhe von 56 Metern. Die dadurch gewonnene potentielle
Energie ist auf der über 1600 Meter langen Strecke auch von Nöten,
bietet T Express doch Ejector Airtime wie fast auf keiner anderen
Holzachterbahn der Welt. |
| |
|
Die zehn höchsten Holzachterbahnen der Welt
(Fundamentoberkante bis maximale Schienenhöhe im Lift) |
|
1. |
Son Of Beast |
Kings Island, Kings Mills, USA |
66 Meter |
Roller Coaster Corporation of America |
26.05.2000 |
|
2. |
El Toro |
Six Flags Great Adventure, Jackson, USA |
57 Meter |
Intamin |
12.06.2006 |
|
3. |
T Express |
Samsung Everland, Seoul, Korea |
56 Meter |
Intamin |
14.03.2008 |
|
4. |
Rattler |
Six Flags Fiesta Texas, San Antonio, USA |
54,5 Meter |
Roller Coaster Corporation of America, John F. Pierce, D.H.
Morgan Manufacturing |
14.03.1992 |
|
5. |
Colossos |
Heide Park, Soltau, Deutschland |
52 Meter |
Intamin |
14.03.2001 |
|
6. |
Voyage |
Holiday World, Santa Claus, USA |
50 Meter |
Gravity Group, Philadelphia Toboggan Coasters |
06.05.2006 |
|
7. |
Mean Streak |
Cedar Point, Sandusky, USA |
49 Meter |
Dinn Corporation |
11.05.1991 |
|
8. |
Texas Giant |
Six Flags Over Texas, Arlington, USA |
43,5 Meter |
Dinn Corporation |
17.03.1990 |
|
9. |
White Cyclone |
Nagashima Spa Land, Nagashima, Japan |
42.5 Meter |
Intamin |
1995 |
|
10. |
Hades |
Mt. Olympus Water & Theme Park, Wisconsin Dells,
USA |
41,5 Meter |
Gravity Group, Philadelphia Toboggan Coasters |
14.05.2005 |
|
|
|
|
|
|
Die zehn höchsten Holzachterbahnen der Welt
(Höchste Abfahrt) |
|
1. |
Son Of Beast |
Kings Island, Kings Mills, USA |
65 Meter |
Roller Coaster Corporation of America |
26.05.2000 |
|
2. |
El Toro |
Six Flags Great Adventure, Jackson, USA |
53 Meter |
Intamin |
12.06.2006 |
|
3. |
Colossos |
Heide Park, Soltau, Deutschland |
48,5 Meter |
Intamin |
14.03.2001 |
|
4. |
Voyage |
Holiday World, Santa Claus, USA |
47 Meter |
Gravity Group, Philadelphia Toboggan Coasters |
06.05.2006 |
|
5. |
Mean Streak |
Cedar Point, Sandusky, USA |
47 Meter |
Dinn Corporation |
11.05.1991 |
|
6. |
American Eagle |
Six Flags Great America, Gurnee, USA |
45 Meter |
Intamin, Philadelphia Toboggan Coasters |
23.05.1981 |
|
7. |
T Express |
Samsung Everland, Seoul, Korea |
45 Meter |
Intamin |
14.03.2008 |
|
8. |
Boulder Dash |
Lake Compounce, Bristol, USA |
44 Meter |
Custom Coasters International |
21.05.2000 |
|
9. |
Hades |
Mt. Olympus Water & Theme Park, Wisconsin Dells, USA |
43 Meter |
Gravity Group |
14.05.2005 |
|
10. |
Texas Giant |
Six Flags Over Texas, Arlington, USA |
42 Meter |
Dinn Corporation |
17.03.1990 |
|
|
|
|
|
Holzachterbahnen in Europa suchte der Parkbesucher Ende der achtziger
Jahre des 20. Jahrhunderts wie eine Nadel im Heuhaufen: Auf dem
europäischen Kontinent gab es nur eine Hand voll klassischer Bahnen. Mehr
Glück hatten die Besucher von englischen Piers: Der Pleasure Beach
in Blackpool ist dabei die erste Adresse, seine Bahnen wie der Racing
Coaster Grand National oder die Big Dipper sind jedoch mehr
Klassiker als Rekordhalter.
1989 sollte sich dieser Zustand ändern: Auf dem Gelände einer
ehemaligen Eisenhütte entstand im französischen Metz nahe der Grenze
zu Deutschland der erste "Schlumpfpark". Die Investoren hatten die Vision, mit
dem einige Jahre später eröffnenden Eurodisney konkurrieren zu
können. Als Hauptattraktion präsentierte der Park die Holzachterbahn
Anaconda des amerikanischen Designers William Cobb. Das Bauwerk
war mit einer Höhe von 36 Metern Europas höchste und zudem schnellste
Holzachterbahn, doch scheinbar hatten die Investoren nur den werbewirksamen
Titel vor Augen. Anaconda bietet trotz fulminanter Höhe weder
Überraschungsmomente noch Airtime und wurde völlig versteckt
hinter Showkulissen an der Parkgrenze platziert. Wollten im Eröffnungsjahr
noch 1,8 Millionen Besucher Big Bang Schtroumpf besuchen, waren es ein
Jahr später nur noch 380.000. Mit dem Park ging auch seine Anaconda
unter.
Jedoch scheint durch den Vorstoß in Frankreich die
europäische Holzachterbahn-Renaissance eingeläutet worden zu sein:
Moderne Woodies folgten fast im Jahresrhythmus. 1991 startete Pegasus im
niederländischen Efteling Park mit einer Höhe von gerade
einmal 15 Metern, ein Jahr später folgte im italienischen
Mirabilandia die Sierra Tonate des Designers Bill Cobb,
der schon die Great American Scream Machine im Six Flags Georgia
verantworte. Cobb starb während der Planungsphase, so dass
Werner Stengel die Berechnungen fortführte. Zum Ende der Saison
2007 wurde Sierrra Tonate aufgrund immenser Betriebskosten und
notwendigen Renovierungsinvestitionen zu Gunsten einer neuen Stahlkreation von
Intamin abgerissen.
  |
|
Magnus Colossus im spanischen Terra Mitica ist nicht
nur Europas zweithöchste Holzachterbahn, die Anlage wurde auch vor einer
gigantischen Felskulisse platziert |
In den 90er Jahre reihten sich andere illustre Namen wie
Megafobia, Tonnere de Zeus oder Stampida in die Liste der
neuen europäischen Holzachterbahnen ein - die drei Anlagen stammen
allesamt aus der Feder der amerikanischen Custom Coasters International
und wurden zwischen 1996 und 1997 verwirklicht. Einen Rekord suchte man bei
diesem Bahnen vergeblich - während in den USA die 50-Meter-Marke
durchbrochen wurde, dümpelte man in Europa um die 30-Meter-Grenze.
Trotzdem vereint das Trio eine perfekte Streckenführung mit extravaganter
Dynamik.
Die neuen Höhenrekorde nach Anaconda folgten erst im neuen
Jahrtausend: Den Anfang machte Magnus Colossus im spanischen Terra
Mitica. Die Anlage der amerikanischen RCCA - die Züge stammen
von Intamin - wurde vor einer atmosphärisch beeindruckenden
Felskulisse in Szene gesetzt und erreicht eine Abfahrtshöhe von 36 Metern.
Absolut getoppt wurde die Kreation vom fast gleichnamigen Colossos im
deutschen Heide Park. Zu Ostern 2001 wurde die Holzachterbahn ohne
jegliche Unterstützung eines amerikanischen Designers vom Schweizer
Hersteller Intamin realisiert. Mit einer Strukturhöhe von 52 Metern
und einer 48,5 Meter hohen ersten Abfahrt ist die Holzachterbahn in der
deutschen Heide bis heute der europäische Rekordhalter.
Nur ihre Betreiber wollten - geblendet durch den Erfolg - scheinbar noch
einige Meter mehr draufsetzen: Colossos wurde schlichtweg mit 60 Metern
zur höchsten oder im Werbejargon "größten" Holzachterbahn der
Welt gekürt, trotz dem Rattler und trotz Son of Beast. Woher
die Hausnummer der 60 Höhenmeter stammt, muss man wohl die
Marketingabteilung von Norddeutschlands größtem Freizeitpark fragen.
Scheinbar der späten Erkenntnis wegen, dass Son of Beast selbst die
beworbenen "60 Meter" des Heide-Exponats um noch einmal ca. 10 Prozent
übertrifft, wurde ein neues Schnippchen geschlagen, indem Colossos
zur höchsten "reinen" Holzachterbahn der Welt gekürt wurde.
Bei Son of Beast wurde die Stahlstruktur des
Vertikalloopings verächtet. Dass jedoch auch bei Colossos
rund 30 Tonnen Stahlhalterungselemente zwischen Schienen und Holzstruktur
verbaut sind, wurde geflissentlich verschwiegen. Kaum ist mit dem Wegfall des
Vertikallooping bei Son of Beast auch dieser "Werbekniff" in der
deutschen Heide verpufft, wird schon der nächste aufgefahren: "Colossos,
die größte Holzachterbahn der Welt, ist mit über 60 Metern um
einiges höher als das antike Vorbild auf der griechischen Insel Rhodos."
Eine Marketing-Polemik, welche diese Bahn vor allem nicht nötig hat, um
Erfolg zu haben. Übrigens: Heute liegt Colossos auf Platz fünf
der weltweit höchsten Holzachterbahnen und nach Son of Beast und
El Toro auf Platz drei der Woodies mit der höchsten ersten Abfahrt.
Wie also "Größe" zu definieren ist, bleibt immer noch das Geheimnis
des Heide Parks. |
|
|
Die fünf höchsten Holzachterbahnen
Europas (Fundamentoberkante bis maximale Schienenhöhe im Lift) |
|
1. |
Colossos |
Heide Park, Soltau, Deutschland |
52 Meter |
Intamin |
14.03.2001 |
|
2. |
Magnus Colossus |
Terra Mítica, Benidorm, Spanien |
37 Meter |
Roller Coaster Corporation of America, Intamin |
Juli 2000 |
|
3. |
Coaster Express |
Parque Warner Madrid, San Martín de la Vega,
Spanien |
36,5 Meter |
Roller Coaster Corporation of America, Intamin |
06.04.2002 |
|
4. |
Anaconda |
Walygator Parc, Maizières-les-Metz, Frankreich
|
36 Meter |
William Cobb, Morgan |
09.05.1989 |
|
5. |
Balder |
Liseberg, Göteborg, Schweden |
36 Meter |
Intamin |
12.04.2003 |
|
|
|
|
|
|
Die fünf höchsten Holzachterbahnen Europas
(Höchste Abfahrt) |
|
1. |
Colossos |
Heide Park, Soltau, Deutschland |
48,5 Meter |
Intamin |
14.03.2001 |
|
3. |
Coaster Express |
Parque Warner Madrid, San Martín de la Vega, Spanien
|
36,5 Meter |
Roller Coaster Corporation of America, Intamin |
06.04.2002 |
|
2. |
Magnus Colossus |
Terra Mítica, Benidorm, Spanien |
36 Meter |
Roller Coaster Corporation of America, Intamin |
Juli 2000 |
|
4. |
Anaconda |
Walygator Parc, Maizières-les-Metz, Frankreich |
35 Meter |
William Cobb, Morgan |
09.05.1989 |
|
5. |
Balder |
Liseberg, Göteborg, Schweden |
34,5 Meter |
Intamin |
12.04.2003 |
|
| |
|
Text: Coastersandmore - jp, Bilder: King's Island, Cedar Point,
Samsung Everland, Six Flags, Coastersandmore |
|
|
|
|
|