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Als im September 1996 mit dem CentrO inmitten des Ruhrgebietes eines der größten Shopping- und Erlebniszentren Europas eröffnete, wurde für den potentiellen Einkaufstouristen als Gegenpol zu der fast unüberschaubaren Vielfalt an Geschäften und gastronomischen Angeboten auch ein Freizeitpark eingeplant. Der CentrO.Park gehört mit einer Fläche von acht Hektar zu den kleinsten deutschen Erlebniswelten, erfreut sich aber großer Beliebtheit. Heutiger Besitzer ist Oscar Bruch Junior, Sprössling der durch Großachterbahnen und Riesenräder bekannten Schaustellerfamilie Bruch.

Offizielle Internetseite des CentrO.Parks

Mit einem Investitionsvolumen von 36 Millionen Euro startete der CentrO.Park unter Federführung des CentrO Betreibergesellschaft in seine erste Saison. Eigentlich sollte eine feste Entertainmentgröße die Organisation und den Betrieb des Areals übernehmen, doch Gespräche mit Efteling, Tivoli Kopenhagen und damals Oscar Bruch Senior führten zu keinem Ergebnis. So oblag die Verantwortung über 10.000 Quadratmeter künstliche Wasserflächen, Parkanlagen und sieben Attraktionen dem CentrO selbst - eine Kombination ohne Erfolg. Zwar wurde weiter investiert und das Angebot erweitert, doch der Park kam nicht in die Gewinnzone.

Ende der 90er Jahre gab es erste Gespräche zwischen den CentrO-Verantwortlichen und dem Schausteller Oscar Bruch Junior, der zu dem Zeitpunkt starkes Interesse an einer Übernahme eines Parks in Nordrhein-Westfalen hatte, bevor zum Jahresende 2000 dann die Verträge unterschrieben wurden. Im darauffolgenden Frühjahr startete der CentrO.Park unter neuer Führung in die Saison, und das nicht ohne die Attraktionsvielfalt gewaltig aufzustocken.

Bild: CentrO

Bild: CentrO.Park

Links: Schiffschaukel Pirat - Rechts: Benjamin Blümchen

Neben dem von der benachbarten Oberhausener Landesgartenschau Olga umgesetzten, 44 Meter hohen Riesenrad wurden bei der Firma Huss in Bremen vier Rund- und Hochfahrgeschäfte in Auftrag gegeben. Drei von ihnen sind immer noch im Park zu finden, dem Condor wurde jedoch nie die gewünschte Besuchergunst zuteil, obwohl er mit seinem chinesischen Thema das wohl am schönsten gestaltete Karussell seiner Art war. Als Hauptattraktion fand zusätzlich ein transportabler Spinning Coaster aus dem Hause Maurer Söhne einen festen Standort.

2002 wurde das Angebot für das Familienpublikum sukzessive ausgebaut: Ein Pferdekarussell, ein Wasserscooter für Kinder und ein wetterunabhängiges Spielezelt erweiterten das vielfältige Angebot. Zudem wurde das Preissystem auf das in Deutschland eher unbekannte Tivoli- Konzept umgestellt: Für einen geringen Grundpreis darf man den Park betreten, die Attraktionen müssen jedoch extra bezahlt werden. Dabei hat der Besucher die Wahl zwischen einem Eintrittsticket mit 24 Wertmarken zur Nutzung von fünf bis sechs Attraktionen.und einer unlimitierten Tageskarte.

Planungsübersicht bei der Parkübernahme von Oscar Bruch

Im Jahre 2003 zog Benjamin Blümchen, der "einzige sprechende Elefant", in den Park ein und trieb die Besucherzahlen stetig in die Höhe. Über 200.000 Besucher konnten in dieser Saison begrüßt werden. Entgegen der naheliegenden Vermutung handelt es sich dabei weitestgehend nicht um Besucher des Einkaufzentrums, die zur Erholung einen Abstecher in den Park machen. "Erstaunlicherweise kommen 90 Prozent unserer Gäste unabhängig vom CentrO", berichtet Christian Ahuis, der Pressesprecher des Parks. "Viele werden bei Ihren Einkäufen auf uns aufmerksam und kommen dann später ausdrücklich für den CentrO.Park zurück."

Den Wünschen des Zielpublikums hat man sich auch für die Saison 2004 weiter angepasst. Da der oben bereits erwähnte Condor vielen Gästen zu rasant war, wurde er an den Park Belantis bei Leipzig vermietet und durch eine Bungee-Trampolinanlage der Firma Euro-Bungy ersetzt, die seitdem für lange Warteschlangen sorgt. Diese ist, im Gegensatz zu anderen Parks, im Tageseintritt enthalten. Eine alte nostalgische Bodenmühle, aus dem Lagerbestand der Schaustellerfamilie Bruch, wurde ebenfalls aufgebaut. Die Zukunftspläne sehen in den nächsten Jahren ein neues Eingangsgebäude in der Nähe der Achterbahn vor. Außerdem existieren Überlegungen, eine Attraktion zu errichten, die auf das Element Wasser setzt.

 

Speedy Panorama

First Drop

Doch momentan ist das noch Zukunftsmusik. Die Eingangstore befinden sich wie gehabt auf halber Höhe der CentrO-Promenade und sind über eine Brücke mit dieser verbunden. Direkt hinter dem Eingang wartet mit Pirat eine Schiffschaukel aus dem Hause Huss. Maximal 54 Insassen können gleichzeitig bis zu 20 Meter hoch hin und her geschaukelt werden - eine turbulente Angelegenheit, die nicht jeder Magen verträgt. 2001 ersetzte dieser Ride ein Piratenkletterschiff, welches aufgrund von Baumängeln demontiert werden musste. Hält sich der Parkbesucher danach rechts, erreicht er einen Platz mit dem ersten der drei parkeigenen Schnellimbisse. Aufgrund der räumlichen Nähe zur CentrO-Promenade mit ihren Kneipen, Restaurants und Cafes war es in der Planungsphase des CentrO.Park nicht vorgesehen, eine eigene geschlossene Gastronomie zu integrieren. Die Gäste sollten in dem vom CentrO. betriebenen Park nicht davon abgehalten werden, die vielen Restaurants auf der Promenade zu nutzen.

Direkt daneben ist Bee-Bee zu finden, ein rasantes Flugkarussell, das eine moderne Version der Pressluftflieger darstellt. 20 Plätze bietet das Bienenkarussell, dessen Gondeln an langen Armen hängend auf und ab fliegen.

Eyecatcher in diesem Bereich ist jedoch Speedy, die Schienenattraktion aus dem Münchner Hause Maurer Söhne. Die nackten Zahlen klingen erst einmal nicht sonderlich spektakulär, erreichen die Einzelwagen auf der elf Meter hohen Schienenbahn Höchstgeschwindigkeiten von gerade einmal 36 km/h. Doch glänzt die Anlage mit einem besonderen Feature: Die Fahrzeuge von Speedy können sich um ihre Hochachse drehen und bieten jedes Mal ein anderes Fahrerlebnis. Auf der Trierer Kirmes feierte diese Anlage im Jahr 2000 Premiere. Nach einer Reisesaison fand sie im CentrO.Park ihr neues Zuhause.

Links: Liftauffahrt Speedy

Diese vom Schienenverlauf stark an die bekannten Wilden Mäuse angelehnte Bahn war eine der ersten Anlagen mit individuellen Drehfahrzeugen: Neben extremen 180°-Wenden absolvieren diese mit einer Gondelrotation von bis zu 20 Umdrehungen in der Minute rasante Auf- und Abfahrten. 1994 hatte Maurer Söhne den Klassiker Wilde Maus erstmals in der modernen Stahlvariante präsentiert. Das Konzept wurde stetig weiterentwickelt, und so folgte der Compact Spinning Coaster, dessen Gondelrotation immer und immer wieder durch die Beschleunigungskräfte angeregt wird. Das Potenzial dieses Achterbahntypus zeigt der rasantere Spinning Coaster 2000 und die Indoor Achterbahnen Winja's Fear und Force im Phantasialand.

Auf 300 Streckenmetern bietet die kompakte Anlage im CentrO.Park Fun für die ganze Familie und passt somit ideal zum Zielpublikum des Parks. Gerade einmal 37° misst die steilste Passage, Querneigung gibt es - typisch für eine Wilde Maus - nicht. Sechs Fahrzeuge mit vier Personen können maximal auf die 45 Sekunden dauernde Fahrt geschickt werden, so dass sich eine theoretische Beförderungskapazität von bis zu 700 Personen pro Stunde erreichen lässt.

Bee Bee in voller Fahrt

Neben Speedy befindet sich ein Spielezelt, in dem die Kleinsten auch bei schlechtem Wetter ausgelassen herumtollen können. Dies ist jedoch die einzige Örtlichkeit, die Schutz vor Regen bietet. Die Gründe sind in den strengen Auflagen des Parks zu suchen: 51 Prozent der Fläche muss unversiegelt bleiben. Diese Vorgabe ist darauf zurückzuführen, dass der CentrO.Park als ökologische Ausgleichsfläche zum Einkaufszentrum dient. Das ist auch der Grund für die vielen unasphaltierten Wege, da alleine die künstlich mit Teichfolie geschaffenen Wasserbereiche als ein Hektar große Versiegelung zählen. Die Besucher schätzen die großzügige Grünanlage und die damit verbundene entspannende Atmosphäre.

Blick hinter die Kulissen der Winjas Achterbahnen im Phantasialand

So hieß es, aus der Not eine Tugend zu machen und die Natur in die Attraktionen einzubeziehen. In direkter Nachbarschaft zu Speedy befindet sich ein Heckenlabyrinth, in dem man sich seit dem Eröffnungsjahr verirren kann.

 

Bild: Centro.Park

Bild: Centro.Park

Auch im CentrO.Park findet der Besucher Attraktionen der Superlative, auch wenn es sich nicht um die höchsten oder schnellsten handelt. Vielmehr ist die gemächliche Traktorbahn von Metallbau Emmeln die längste ihrer Art weltweit. Hier finden sich die Figuren aus den Benjamin Blümchen Geschichten, welche im Zuge einer Umthematisierung 2003 installiert wurden. Unter den Kindern hat das gutmütige Grautier mit seinem charakteristischen Törööö einen Bekanntheitsgrad von rund 98 Prozent. Für Oscar Bruch Junior ein Grund mehr, seinen Wunsch, einen Freizeitpark rund um Benjamin Blümchen zu errichten, zu verwirklichen - wenn auch bislang nur in Teilen. Bis dato wurde nicht nur die Traktorbahn angepasst, sondern auch ein Merchandise-Shop eingerichtet.

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Links: Traktorbahn mit Benjamin Blümchen - Rechts: Goldwaschen

Selbst Begegnungen mit dem sprechenden Elefanten in "Lebensgröße" sind möglich: Als übergroßes "Stofftier" tappst der Elefant zum Anfassen über die Wege und trompetet den Kindern sein Törööö entgegen. In den nächsten Jahren soll der Bezug zu Benjamin Blümchen im CentrO.Park weiter ausgebaut werden. Damit kann dieser sein Profil weiter abgrenzen, denn Oscar Bruch Junior hat die Lizenz für Parks in Deutschland und Benelux.

Dem Rundweg weiter folgend erreichen die Besucher mit Rodeo das dritte Fahrgeschäft aus den Werken der Bremer Firma Huss. Der Huss ASR Breaker wirbelt seine Gäste in turbulenten Kreiselbewegungen umher - fast wie die großen Brüder Breakdance I und II von der Kirmes. Hier ist Spaß für Jedermann angesagt, Angst vor den als Bullen thematisierten Gondeln muss niemand haben.

Weiter geht es zum Goldwaschen. Mit einem Sieb kann dort der Besucher auf Goldsuche gehen - stilecht wie damals im Wilden Westen. Der hintere Parkteil wird überragt vom eingangs erwähnten, 44 Meter hohen Riesenrad. Das von Mondial gefertigte Regenbogenrad wurde im Jahr 1999 ausgeliefert und fand seinen ersten Standort auf der Oberhausener Landesgartenschau Olga, bevor es in den CentrO.Park umgesetzt wurde. Bei gemächlicher Fahrt wird den Mitfahrern ein weiter Rundblick über das Ruhrgebiet geboten.

Jedes Jahr ist das holländische Produkt auch der Mittelpunkt eines ganz besonderen Events. Das Best Western Hotel veranstaltet eine Mondscheinfahrt mit einem Fünf-Gänge-Menü. Dazu werden in den 32 Gondeln speziell angefertigte Tische installiert. Ein roter Teppich, üppige Blumendekorationen und klassische Pianobegleitung dürfen bei diesem romantischen Abend natürlich nicht fehlen.

Links: Historisches Rundkarussel - Rechts: Trampolinanlage

Als letzte Attraktion im hinteren Bereich des Parks finden die Kinder eine Trampolinanlage, bevor der chinesische Bereich folgt. Dort wartet ein zwölf Meter hoher Rutschenturm mit vier Röhren und Rinnen, deren teilweise extreme Steigung schon etwas Mut erfordert. Ganz anders ist da der Shanghai Express, eine kleine Eisenbahn mit Ovalkurs. Nach einem kleinen Nostalgiekarussell und dem Wasserscooter für die ganz Kleinen erreicht der Abenteuerlustige die neue Bungee-Trampolinanlage, an der die Wartezeit selbst in der Nebensaison bis zu einer Stunde betragen kann. An warmen Tagen bietet der große Wasserspielplatz eine willkommene Abkühlung.

Sicherlich kann der CentrO.Park nicht mit spektakulären Rekorden aufwarten, für Familien mit (kleinen) Kindern ist die Mischung an Attraktionen und Spielmöglichkeiten jedoch genau richtig. Familienfreundlich ist auch das Preisniveau: Das "Ticket ohne Grenzen" kostet für Erwachsene 12 und für Kinder bis ein Meter Körpergröße 8,50 Euro. "Wir wollen uns über den niedrigen Preis und das gute Preis-Leistungs-Verhältnis auch in den nächsten Jahren hervortun", so der Pressesprecher des Parks. Und das Angebot dabei noch zielgruppenspezifisch erweitern. Ein Konzept, das funktioniert.

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